Beispiel an Löw nehmen

Am Samstag war Deutschland ein einig Sängerland: „Jooogi, ist das schön.“ Mit einer fußballerischen Glanzleistung, wie sie seit den glorreichen Zeiten von Beckenbauer und Netzer nicht mehr zu sehen war, wurden Maradonas weinende Gauchos in die Pampa zurückgeschickt.

Schade nur, dass uns die deutsche Politik nicht ähnlich begeistert. In Berlin wird sogar das totale Gegenstück geboten – mit Auftritten von Westermerkel & Co., die eher an die französische Gurkentruppe erinnern. Jetzt dürfen wir uns auch noch auf erheblich steigende Gebühren fürs Gesundheitssystem einstellen. Na, Prost Mahlzeit!

Fast gänzlich hinter Chaos-Berlin verborgen bastelt NRW-SPD-Chefin Hannelore Kraft zusammen mit den Grünen in Düsseldorf an ihrer Minderheitsregierung. Eine neue Schulpolitik hat sie angekündigt. Außerdem will sie den notleidendsten Kommunen im Land mit 500 Millionen Euro auf die Sprünge helfen. Hört sich nobel an, wird aber natürlich mit Schulden finanziert.

Ob auch Hagen davon ein Häppchen mitbekommt?

500 Millionen Euro – eine Menge Geld. Und das alles ist doch angesichts zahlloser Pleite-Gemeinden im Lande nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Keine Frage, wir alle müssen den Gürtel enger schnallen. Denn die Wirtschaftskrise hat die Kommunen mit voller Wucht erreicht. Ihre Einnahmen werden 2010 kräftig sinken. Immer mehr Städten ist es deshalb nicht mehr möglich, ausgeglichene Haushalte vorzulegen. Hagen befindet sich also in „bester Gesellschaft“.

Und so wie an der Volme wird es (fast) überall zu spürbaren Einschränkungen kommen. Von der Straßenbeleuchtung bis zur Seniorenbetreuung, von den Hundesteuern bis zu den Kita-Gebühren… – halb NRW steht vor einem beispiellosen Streichorchester einerseits und einer immensen Gebührenerhöhungswelle andererseits.

Viele Probleme sind hausgemacht. Schon seit Jahren wissen die Rathaus-Strategen, dass die Einwohnerzahlen rückläufig sind und die Angebote schon alleine deshalb hätten schrumpfen müssen. Aber wie in Hagen wurde auch anderswo meist nach der Strauß-Methode verfahren: Kopf in den Sand.

Wie schön, dass wenigstens Jogis Mannen ganz anders auftrumpfen. Ach, würden sich doch die Politiker an ihnen ein Beispiel nehmen…

Tilo