Bis zum Anschlag zugezapft

Jugendliche haben früher mal ein Bierchen oder auch zwei getrunken. Vorbei. Heute wird gesoffen, bis die Leber brummt. Das Ganze artet immer mehr in eine zweifelhafte Sportart aus. Beim „Komasaufen“ und „Rauschtrinken“ werden Unmengen „geschüttet“, und zwar nicht nur Bier oder Wein, sondern Schnäpse, schön durcheinander und ohne Verstand. Doch damit nicht genug: Damit der Rausch schneller kommt und man sich auch gleich noch das lästige Spülen von Gläsern und Pinnchen spart, gibt‘s den „Alk“ per Schlauch. Direkt von der Flasche in den Mund, damit in kürzester Zeit Unmengen weggepumpt werden können. Und das Ende? Richtig, im Krankenhaus, oft sogar auf den Kinderstationen. Die Zahlen des Gesundheitsministeriums sprechen Bände: 2007 wurden 23.165 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 20 Jahren aufgrund einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt. Das entspricht einem Zuwachs von 143 Prozent seit der Ersterhebung im Jahr 2000.

Auch Hagen macht diesen Kotz-Trend mit. Erst kürzlich wieder, in einer noch recht frischen Samstagnacht: Ein völlig zugezapfter, sehr junger Mann wartet auf den Nachtexpress. Dieser kommt, der Teenie erhebt sich – und klatscht zu Boden, wo er regungslos liegenbleibt. Zur Hilfe eilende Passanten rufen den Notarzt, wuchten den Jungen in die stabile Seitenlage und beruhigen dessen Freunde. Die sind in heller Aufregung, alles schreit durcheinander – bis der Busfahrer den Motor anschmeißt. Dann geht alles ganz schnell: Die „Freunde“ klopfen dem seit Minuten bewusstlosen Kumpel auf die Schulter, sagen „Tschüss!“, springen in den Bus – und lassen den Kameraden einfach am Boden liegen.

Der Junge erwacht pünktlich bei der Ankunft des Krankenwagens. Hinsetzen klappt so eben. Es folgt ein verschwommener Blick in die Runde. Dumpfes Erkennen, dass man sich erstens auf dem Boden und zweitens im Beisein von völlig fremden Menschen befindet. Der Alkohol hat aber nicht nur für Übelkeit und Ohnmacht gesorgt – der Verstand will einfach nicht verstehen, was die Notärzte sagen. Und so krabbelt dann der Junge, 15 oder 16 Jahre alt, über den Bürgersteig in Richtung des Krankenwagens. Dieser wird ihn, wohin auch sonst, zur Kinderstation eines Krankenhauses bringen.

Soll Tilo nun blankes Entsetzen zeigen oder das Thema mit der Gelassenheit des Naturforschers begleiten?

Sicher ist: Jeder Pavian ist klüger als diese Megasauf-Truthähne (und -hennen)!

Tilo