Bitte kein Hochmut!

Griechenland hält uns weiter in Atem, auch in unserem beschaulichen Städtchen an der Pforte zum Sauerland. Sicher, die Griechen hätten niemals Mitglied der Euro-Zone werden dürfen. Bei ihren Eintritts-Zahlen haben sie nach allen Regeln der Kunst getrickst, geschummelt und beschissen. Und wie es ausschaut, haben amerikanische Großbanken dabei auch noch geholfen.

Wir werden das dumme Gefühl nicht los, irgendwie ganz tief mit drin zu hängen. Geht Griechenland bankrott, zahlen wir einen Teil der Zeche. Wird Griechenland gerettet, zahlen wir vielleicht auch. Zum Glück ist Hellas kaum größer als Westfalen.

Aber wir sollten uns nicht zu sehr aufplustern. Auch die Deutschen haben im 20. Jahrhundert Schuldenberge aufgehäuft und Pleiten von ganz anderem Kaliber hingelegt. Vor zehn Jahren, als der Euro kam, brachte der Heimatbund-Vorsitzende Jens Bergmann ein interessantes Büchlein auf den Markt: „Das Notgeld von Hagen“. Darin erinnerte Bergmann daran, dass Deutschland unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg „das wirtschaftlich stärkste Industrieland Europas war“ und reichlich Export-Überschüsse erwirtschaftete. Zehn Jahre und einen Krieg später sah alles anders aus. Die Schulden wuchsen ins Unendliche – Deutschland war auf Talfahrt. Zwar versuchte der Staat, Kohle, Holz und Goldreserven zu versilbern, aber gebracht hat es wenig.

Im Januar 1923 war Deutschland zahlungsunfähig, obendrein gab es eine Wahnsinns-Inflation. Bergmann: „Ein Kilo Butter kostete in Hagen am Ende des Ersten Weltkriegs 4,99 Mark, dreieinhalb Jahre später 11600 Mark.“

Deutschland bekam zwar schließlich die Inflation vom Tisch. Doch die Weimarer Republik lebte weiter fröhlich auf Pump. Vor allem die Amerikaner gaben das Geld und mussten am Ende ihre Rückforderungen großenteils in den Wind schreiben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sah es nicht viel anders aus. Obendrein können wir froh sein, dass praktisch kein einziges Land nach 1945 irgendwelche Reparationszahlungen gefordert hat und dass uns die Amis geholfen haben, das Land wieder aufzubauen. Nicht einmal die in den eroberten Ländern erpressten Besatzungskosten haben wir jemals getilgt, obwohl wir nach dem Londoner Abkommen von 1953 dazu verpflichtet gewesen wären.

Kurzum: Alle Fachleute sind sich einig, die größten „Schuldenkaiser“ des letzten Jahrhunderts weltweit waren – wir Deutschen.

Vielleicht hilft diese Erkenntnis, gegenüber den Tricksern aus Hellas etwas weniger oberlehrerhaft und hochnäsig aufzutreten. Denn man weiß ja: Hochmut kommt vor dem Fall.

Tilo