Bittere Bilanz

Politisch war 2017 ein eher dramatisches Jahr. Für diese Einschätzung müssen wir gar nicht nach Amerika, in die Türkei, in den Nahen Osten, nach Afghanistan oder Korea blicken. Es reicht, wenn wir in mitteleuropäischen Gefilden bleiben und zum Beispiel gen Österreich schauen. Dort sitzen jetzt ein paar Politiker auf der Regierungsbank, die eine gewisse Nähe zum Nationalsozialismus nicht verleugnen können.

Da darf man gespannt sein, ob der neue Kanzler Sebastian Kurz diese „beige-­braune Gruppe“ im Griff haben wird.
1933 sah es so ähnlich aus. Da fungierten die ultrakonservativen Politiker Franz von Papen und Paul von Hindenburg als Steigbügelhalter Hitlers – verknüpft mit der Vorstellung, den Zuwanderer aus dem Süden im Zaum halten zu können. Zwölf Jahre später waren große Teile Europas zerstört, zig Millionen Menschen tot. Allein viele tausende Volmestädter kamen ums Leben.

Auch in einem anderen Nachbarland sieht’s wenig ersprießlich aus – in Polen. Dort wurde zuletzt nicht nur die unabhängige Justiz an die Kandare genommen, sondern auch die ein oder andere kritische Zeitung drangsaliert. Womit wir bei einem Thema sind, das Tilo in diesen Tagen besonders am Herzen liegt – bei der Freiheit der Presse.
Sie ist bedroht – und zwar fast überall auf dem Globus. Wie die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ am gestrigen Dienstag berichtete, wurden 2017 weltweit 65 Journalisten bei der Ausübung ihres Berufes getötet; die Hälfte von ihnen starb außerhalb von Kriegsregionen, etwa in Mexiko oder auf den Philippinen.

Rund 300 Medienleute sitzen in Haft, weil sie beispielsweise über politische Korruption oder Missstände berichteten. Hier tun sich China, der Iran und Vietnam besonders unrühmlich hervor.

In Deutschland ist das Klima für uns Journalisten ebenfalls rauer geworden. Beschimpfungen, Beleidigungen und sogar Bedrohungen sind inzwischen an der Tagesordnung. Auch in Hagen. Aber das gilt nicht allein für Pressemenschen. Ähnliche Erfahrungen machen Politiker oder zum Beispiel Rettungskräfte.

Ob’s 2018 wieder etwas besser wird? Das wird leider wohl ein frommer Weihnachtswunsch bleiben.

Tilo