Blau fahren

Ach, der arme Kollege Eberhard! Der bekennende Italien-Fan hatte in der vergangenen Woche noch gewettet, dass das Stiefelland garantiert eher eine stabile Regierung haben werde als Deutschland. Jetzt steht der arme Kerl vor dem gigantischen Scherbenhaufen, den der italienische Wähler angerichtet hat.

Auch ansonsten hatten es die vergangenen Tage in sich. Immerhin gab es ein klares Bekenntnis der SPD zur Fortsetzung der „GroKo“. Angela Merkel kann also bald wieder durchstarten. Am 14. März ist ihre Wahl eingeplant. Die CDU- und CSU-Kandidaten für die Ministerposten kennen wir ja schon. Was jetzt noch fehlt, sind die SPD-Aspiranten. Olaf Scholz scheint als Finanzminister unausweichlich zu sein. Doch wer wird Außenminister? Sigmar Gabriel ist wohl „außen vor“, der hat sich ziemlich dämlich selbst aus dem Amt gequatscht.

Als neuer Verkehrsminister –und somit als Nachfolger von Alexander Dobrindt – ist der bisherige CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer vorgesehen. Scheuer wird reichlich zu tun haben. Vor allem muss er die vielen chaotischen Baustellen in Angriff nehmen, die ihm Dobrindt hinterlassen hat. Das größte Problem vor seiner bayrischen Brust ist natürlich das Diesel-­Desaster.

In mehreren Städten wird es ziemlich sicher in einigen Straßenschluchten zu Fahrverboten für ältere Dieselstinker kommen. Auch Hagen könnte früher oder später dazu gehören. Die Deutsche Umwelthilfe, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Einhaltung der bekanntlich schon seit vielen Jahren existierenden Grenz­werte durchzukämpfen, hat bereits angekündigt, dass die Volmestadt ganz oben auf ihrer „Angriffsliste“ steht. Zwar gibt es in der Schlucht vor dem Finanzamt, wo sich ja besonders viel Gift ansammelt, schon seit Jahren LKW-Verbote. Aber das reicht laut Umwelthilfe und Umweltbehörden nicht aus.

Am 1. Januar wurden in Deutschland etwa 63,7 Millionen zugelassene Fahrzeuge gezählt, über eine Million mehr als noch vor einem Jahr – rund 65,5 Prozent sind Benziner, 33 Prozent Diesel. Unter den mehr als 21 Millionen Diesel-Fahrzeugen gibt es nur wenige vom allerneuesten „Euro6d“- oder „Euro6d-Temp“-Typus.

Deren Eigentümer brauchen nichts zu befürchten. Die würden sogar die dunkel­blaue Plakette bekommen, die jetzt von Umweltbundesamt-­Chefin Krautzberger vorgeschlagen worden ist. Allen nachgerüsteten Euro5/Euro6-Dieseln will sie „nur“ eine hellblaue Plakette verleihen.

Da bekommt das alte Bekenntnis „Ich fahr‘ blau“ bald eine ganz neue Bedeutung in Deutschland.

Tilo