Bohnensalat

In Wehringhausen steht seit Jahren für allerlei Umbau-Maßnahmen viel Geld zur Verfügung – gesponsert vom Bund, Stichwort: „Förderprogramm Soziale Stadt“. Es geht darum, den Stadtteil quasi zu retten und wieder attraktiver zu machen. Das ist einerseits ein löbliches Unterfangen, anderseits gleicht‘s aber einem tiefen Loch, in dem reichlich Geld für unnütze Umgestaltungen und unsinnige Projekte versickert.

Ein typisches Beispiel ist der Spielplatz an der Rehstraße. Vor der Umgestaltung galt er als „Problem-Platz“, war oft übersät mit Fäkalien und Müll. Dann kamen die Stadtplaner und Politiker. Sie bewilligten viele, viele Talerchen, holten ein sündhaft teures Gestalterteam ins Boot und „produzierten“ ein sehenswertes Schmuckstück. So weit, so gut. Doch wo sind eigentlich die Kinder? Immer wenn Tilo hier vorbeifährt – und das ist recht häufig –, sieht er kein einziges Kind auf diesem noblen Spielplatz.

Ein stolzes Sümmchen ist auch in die „Bohne“ nahe der VHS geflossen – sage und schreibe über eine halbe Million Euro. Dafür gab es eine künstlich angelegte Hügellandschaft, die Kindern und Jugendlichen als Fahrrad-Outdoorspielplatz dient. Kern ist ein in Deutschland einzigartiger sogenannter Pumptrack, das heißt: eine speziell geschaffene Mountainbikestrecke vom Allerfeinsten. Die Anlage ist wirklich klasse und stellt ein absolutes Vorzeigeprojekt dar. Alles könnte also eitel Sonnenschein sein. Könnte…

…denn anstelle der Jugendlichen, für die diese Super-Anlage gedacht ist, geben sich hier immer mehr Trinker, Drogensüchtige und zwielichtige Gestalten ein Stelldichein. Unangenehm zu „spüren“ bekamen dies unter anderem auch zwei Dixie-Klos, die an der Bohne bislang provisorisch aufgestellt waren. Eigentlich war eine 125.000 Euro (!) teure Toilette geplant, aber die ist vorläufig noch nicht in Sicht, ebenso wenig wie die notwendige Beleuchtung.

Schon im Vorfeld gab es etliche Menschen, die der Auffassung waren, es sei Tinnef, unweit des Bodelschwinghplatzes ein attraktives Freizeitareal wie diesen einzigartigen Pumptrack zu realisieren. Dafür müsste man andere Standorte suchen, hieß es. Sonst sei mit „verschwendetem Geld“ zu rechnen. Aber sämtliche Warnungen wurden ignoriert.

Jetzt sollen zwei halbtags beschäftigte Streetworker regelmäßig anrücken und für Ordnung in diesem „ranzigen Bohnensalat“ sorgen. Als hätten die nicht schon genug in Wehringhausen zu tun.

Wäre es nicht besser, das Ordnungsamt zu schicken? Dann hätten dessen Kräfte eine sinnvollere Aufgabe zu erledigen, als in ruhigen Vorort-Seitenstraßen irgendwelchen Seniorinnen nachzuspüren, die entgegen der Fahrtrichtung geparkt haben.

Ach nee, geht ja gar nicht. Junkies bringen kein Geld ein, Falschparker aber schon.

Tilo