Das tolle Geld

Was ist dem Menschen sein Allerliebstes? Worauf kann er keinesfalls verzichten? Wofür geht er, wenn es sein muss, über Leichen? Lässt Frau, Mann und Freunde im Stich? Na, Leute, das Geld natürlich! Bei den derzeit laufenden Hohenlimburger Schlossfestspielen geht es deshalb – zeigeistnah – um das „Tolle Geld“, ein Theaterstück von Alexander Ostrowskij.

Tilo weiß, die meisten Leser haben mit solcherart Kultur wenig bis gar nichts am Hut. Herrschaften, macht was Ihr wollt, aber Ihr verpasst etwas: Tolles Geld, tolle Rollen, tolle Darsteller, tolle Unterhaltung!

Es ist ein Lustspiel über die Seele der verschuldeten Gesellschaft. Der große russische Dichter schrieb es vor beinahe hundertfünfzig Jahren, so bissig und wirklichkeitsnah, als lebte er heute. Das Stück ist echt witzig, geistreich, hat gepfefferte Pointen, stimmt aber auch nachdenklich: Wir kennen sie doch alle, die Schnigolos und Schickimickis, die Geizhälse, die Verschwender, die Angeber, die mit Scheinen wedeln und zuhause klebt der Kuckuck, die Wechselreiter und Geldwäscher, die Schnorrer, die alles versprechen und in Wirklichkeit alles umsonst haben wollen, die Aufschneider, die den dicken Otto markieren, aber tief in der Kreide stecken, die Damen, die all ihren Liebreiz aufbieten, nur, um an Kohle zu kommen. Und Peter Paul Rubel ist ihr aller Lieblingsmaler. So war es scheinbar schon immer: der Gedanke ans Geld kriecht in alle Lebensfasern, alles dreht sich ums Vermehren und Verzinsen, Verlust und Schande inclusive.

Peter Schütze hat die Komödie mit seinen Mitarbeitern entrümpelt, den Text gestrafft und zeitgemäß gestaltet. In diesem modernen Gewand hat sie das Zeug, kultig zu werden. Da bekommt alles seine Massage, nicht nur ein alter Herr auf der Bühne, nein, auch Herz, Hirn und Lachmuskeln der Zuschauer. Bei den ersten beiden Vorstellungen hatte der 2012er Sommer viel Einsehen und lohnte Probenfleiß und schauspielerischen Einsatz mit praller Wärme. Das Publikum applaudierte fleißig.

Die Schloss-Spiele haben wieder einen Volltreffer gelandet. Die Mitwirkenden um Festspielleiter Peter Schütze übertreffen sich selbst: Heiterste Spiellaune, gepfeffertes Tempo, rasante Aktionen, erotische Einlagen und Klasse-Dialoge. Kurz: Es ist schwer was los auf den Brettern, die vor der Schlossfassade aufgebaut sind und im ganzen Hof drumherum. Leider nicht mehr lange: nur noch am Freitag, 24. August, und am Freitag, 31. August 2012, jeweils 20 Uhr im Schlosshof Hohenlimburg. Kostenpunkt? Überschaubare 14 Euro.

Im Oktober fährt das Ensemble in Hagens Partnerstadt Smolensk und zeigt auch dort das Stück. Ein Gastgeschenk, mit dem man sich fein machen kann, fürwahr!