Depri-Trip

Als Tilo neulich seinen alten Hasper Kumpel Paul traf, bot der Mann einen Anblick des Jammers: „Bin voll auf dem Depri-Trip! Alles ist so schrecklich. Jeden Abend, in den Nachrichten oder Talkshows, geht es nur noch um Krise, Krise, Krise. Erst die Griechenland-Krise, dann Irland, Portugal und Italien. Jetzt steht auch noch Frankreich im Feuer. Der Euro ist unter Druck, mehrere Banken auch. Der neue Rettungsschirm ist noch gar nicht in Kraft, droht aber bereits davon zu segeln. Und beim Deutschen Aktien-Index, dem DAX, geht es seit Tagen nur noch nach unten. Ich kann’s nicht mehr hören.“

Das Schlimmste sei, jammerte Paul, dass auf seinen bevorzugten Sendern ARD und ZDF ständig Politiker und Experten zu Wort kämen, die sich allesamt widersprächen. Und oft genug widersprächen sie sich sogar in ein und derselben Sendung auch noch selbst.

Tilo versuchte, mit einem nicht ganz ernst gemeinten Rat zu trösten: „Verkauf doch einfach alle Aktien und schau keine Talkshows mehr.“

Gestern traf Tilo seinen Kumpel Paul erneut. Der Mann wirkte wie ausgewechselt. „Rat befolgt! Keine Aktien mehr, keine Nachrichten mehr! Lieber lasse ich mich von uralten amerikanischen Serien auf Kabel-Eins verblöden, als mich Abend für Abend von Mauschel-Angie und ihren Ministern um den Schlaf bringen zu lassen.“ Auch überregionale Zeitungen liest er nicht mehr, sagt er jedenfalls.

So weit ist Tilo noch lange nicht. Er verfolgt immer noch fasziniert die spannende Frage, ob Griechenland tatsächlich in die Pleite geschickt wird und wie viele Banken in Europa dann mit ungezählten Pimpillionen an Steuerzahlern gestützt werden müssen.

Derweil macht Wirtschaftsprofessor Dirk Meyer von der Uni Hamburg landauf, landab Reklame für seine Idee, möglichst bald die NDM, die „Neue Deutsche Mark“, einzuführen. Wenn wir jetzt tatkräftig ans Werk gingen, könnten wir laut Meyer die NDM zusammen mit Holland, Österreich, Schweden und Dänemark schon in 18 Monaten haben. Das neue Geld einzuführen, koste nur schlappe 20 Milliarden Euro. Zudem müssten wir Deutschen mit einem Vermögensverlust von insgesamt 150 Milliarden Euro rechnen. Das sei aber garantiert preiswerter, als die südeuropäischen Faß-ohne-Boden-Pleitestaaten zu retten.

Junge, Junge, angesichts solcher Vorschläge bleibt einem doch etwas die Luft weg.

Hoffentlich liest Paul dies jetzt nicht. Sonst hüpft er sofort wieder auf den Depri-Trip…

Tilo