Die europäische Schnullerkette

Hunderte von EU-Beamten verdienen netto mehr als Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Volksseele kocht. Die Engländer verlangen gar eine stramme Kürzung der Brüsseler Verwaltungsausgaben.

Ja, sie ist uns lieb und teuer, unsere Europäische Union. Aber wie früher regelmäßig Kriege führen ist noch teurer und tat noch mehr weh. Also, Neid lass nach!

Trotzdem darf gefragt werden, ob die Arbeitsabläufe und das Ergebnis der segensreichen europäischen Verwaltung den hohen Kosten entsprechen.

Da nagt der Zweifel. Es gibt 1.000 bananige Beispiele. Eines davon ist die EU-Schnullerkettenverordnung. Sie schreibt auf 52 Seiten vor, wie eine Schnur für Babyschnuller konstruiert sein muss, damit sie als Babyschnullerschnur innerhalb der EU verkauft werden darf.

Oder, wenn es um irgendwelche europaweite Regional-Projekte geht, bei denen die Städte mitmachen können. Das läuft folgendermaßen ab:

In Brüssel schwitzt ein hochqualifizierter Beamter eine Projekt-Idee aus. Das dauert und kostet richtig viel Geld. Wenn das Konzept steht, muss es europaweit hinausposaunt werden. Das kostet erneut Geld.

In vielen Städten – so auch in Hagen – sitzen Beamte, die ihre Zeit damit verbringen, Briefe aus Brüssel zu lesen. Was erneut Geld kostet. Wenn die örtlichen Sachbearbeiter einen interessanten Vorschlag finden, muss die Politik informiert und überzeugt werden. Danach sind Anträge zu schreiben. Auch das gibt‘s alles nicht zum Nulltarif.

Dann müssen wieder Brüsseler Beamte die Anträge prüfen und entscheiden, welche Stadt mit ein paar Tausis bedacht wird. Das heißt: die Planung verschlingt ein Heidengeld, bevor überhaupt irgendein lumpiger Euro in eine Stadt fließt. Und wenn dann tatsächlich Zuschüsse – etwa für die Verschönerung von Wehringhausen – überwiesen werden, muss man vor Ort hoch und heilig versprechen, immer brav die EU zu loben.

Das Geld, welches da aufs Hagener Konto fließt, ist streng genommen zuvor von Berlin nach Brüssel überwiesen worden, ebenso wie ein Teil der Beamten-Bezahlung. Denn die EU verfügt fast ausschließlich über das Geld, das ihr die Mitgliedsstaaten geben. Tilo fragt sich natürlich, ob es nicht einfacher und kostensparender wäre, die deutschen Städte gleich von Berlin aus direkt zu beglücken. Also ohne den teuren Umweg über Brüssel.

Aber diese teure EU-Tunke sollten wir einfach als Gegenleistung für über 60 Jahre Frieden und Wohlstand abbuchen. Das hat es in Europa noch nie gegeben. Wollen SIE, lieb Leserschaft, wieder an jeder Grenze von einem Zöllner gefilzt werden? Bei Reisen in Europa vorher mit den unterschiedlichsten Landeswährungen unterwegs sein, mit kompliziertesten Wechselkursen in Kopf? Oder stattdessen einen, ist ja gut, teuren und verschlafenen Beamtenstadel in Brüssel bezahlen, der uns das alles erspart?

Keine Frage, oder?