Die Kunst zu leben …

Schalke gegen Dortmund – das ist der ewig junge Kracher. Auch am letzten Wochenende brachte er den Pott zum Kochen. Für Fans war es ein absolutes Muss. Ging es doch um die fußballerische Vorherrschaft im Revier. Der BVB hatte die Nase vorn: 3:1!

Auch in Frankreich gibt es eine vom Kohlebergbau geprägte Region namens „Nord – Pas de Calais“, und auch dort sind die Menschen fußballbegeistert. Hier liegt die Hohenlimburger Partnerstadt Liévin. Dort weilte unlängst eine über 40-köpfige Delegation von der Lenne, um das 50-jährige Bestehen dieser Städtefreundschaft zu begehen. Der dortige Revierschlager heißt RC Lens gegen OSC Lille, und der fand ausgerechnet am Besuchs-Wochenende der Hohenlimburger im keine zehn Kilometer von Liévin entfernten Lens statt.

„Das wär’ doch was“, dachten sich die Fußballfreunde Holger Lotz und Frank Schmidt von den „Bürgern für Hohenlimburg“, die erstmals zu Gast in Liévin weilten. Zeitgleich zum Fußballspiel allerdings war auch der deutsch-französische Freundschaftsabend angesetzt. Den ganzen Samstag überlegten die beiden Bezirkspolitiker mit schwerem Herzen, ob man beim Festabend fehlen konnte, ohne die französischen Gastgeber zu brüskieren, die sich viel Mühe mit der Organisation gegeben hatten.

Schließlich siegte der Anstand. König Fußball musste in Lens ohne die beiden BfHo-Vertreter auskommen.

Der Abend begann sehr unterhaltsam mit Chansons, die Liévins Bürgermeistergattin Francoise Kucheida zu Akkordeonbegleitung vortrug. Vergeblich Ausschau hielten Lotz und Schmidt allerdings nach Stadtoberhaupt Jean-Pierre Kucheida, der noch am Vormittag im Rathaus mit einer brillanten Rede die Partnerschaftsdelegationen aus Hohenlimburg, Bruck an der Mur (Österreich), Rybnik (Polen) und Pasvalys (Litauen) begeistert hatte (der wochenkurier berichtete). Den ganzen Abend über war und blieb Kucheida verschwunden.

Als sich Lotz und Schmidt nach dem Verbleib des Bürgermeisters erkundigten, fielen sie aus allen Wolken: Jean-Pierre Kucheida verbrachte den Abend selbst auf der Tribüne des Stadions in Lens, begleitet von der Delegation aus Bruck.

So lernten die beiden Hohenlimburger gleich bei ihrer ersten Visite in Liévin, was man unter „Savoir-vivre“, dem unbeschwerten Lebensgenuss auf französische Art, genau versteht.

Der Respekt bei den beiden Bezirksvertretern vor dem seit 30 Jahren an der Spitze seiner Stadt stehenden Vollblutpolitiker Kucheida aber ist seit diesem Abend noch einmal deutlich gestiegen.

Tilo