Falsch gewählt

„Suche Dir einen Beruf, der dir Spaß macht. Und du musst nie wieder arbeiten.“ Ein schöner, ein weiser Spruch. Hier kommt eine Geschichte von jemandem, der den falschen Beruf hat.

Die Hagener Straßenbahn-AG verspricht: „Wir fahren Menschen, nicht Busse“. Der Busfahrer, der am Montag vom Hauptbahnhof aus in Richtung City und anschließend weiter in den hohen Norden der Stadt unterwegs war, hat diesen Werbeslogan nicht verstanden.

Normalerweise werden die Passagiere im Hagener Busverkehr mit einem freundlichen Lächeln begrüßt. Unser Nahverkehrs-Pilot dagegen raunzt seine Fahrgäste beim Einsteigen an: „Geht das nicht schneller?“ Erste verwunderte Blicke. Schwamm drüber: Jeder kann mal einen schlechten Tag haben. Auch Busfahrer.

Ein älterer Herr kommt auf den Bus zugelaufen. Er winkt. Hinter sich her zieht er einen Koffer mit der Banderole einer Fluggesellschaft. Doch der Fahrer gibt Gas. Rollt ein wenig, bis er abrupt neben dem schnaufenden Mann stehen bleibt. Die Tür allerdings bleibt zu. Mr. Zündhütchen hinter dem Lenkrad schimpft: „Nein, hier wird keine Tür geöffnet. Hier doch nicht, mitten auf der Straße.“ Die Passagiere gucken verdattert. Mitten auf der Straße? Der Bus hat seine Parkposition nur knapp hinter sich gelassen. Anhalten, um zu schimpfen, scheint okay zu sein. Aber anhalten, um Nachzügler einsteigen zu lassen…?

Der Bus nähert sich der Haltestelle an der Körnerstraße. Dort warten Fahrgäste. Eine Dame drückt auf den Haltwunschknopf, steht auf und – kann sich gerade noch auf den Beinen halten. In bester Rallye-Manier hatte der Pilot sein Gefährt abgebremst und mit einem Schlenker in die Haltebucht eingefädelt. Keine Entschuldigung. Stattdessen: „Hätten Sie nicht früher drücken können?“ Ratlose Blicke im Bus. Die Frau ist froh, aussteigen zu können. Die Einsteigenden haben ihr Abenteuer noch vor sich.

Der Fahrer drückt voll aufs Gas. Volle Kanne schlängelt er sich auf die Straße. Rumms! Eine Laptoptasche platscht auf den Boden. Der Besitzer landet zwar unsanft, aber immerhin gerade noch auf einem Sitz. Von vorne kommt kein Kommentar. Die Mitreisenden helfen sich gegenseitig. Ein Gefühl von Hilflosigkeit, Fassungslosigkeit und Ausgeliefertsein verbreitet sich.

Jetzt aber schnell. Knopf drücken. Nichts wie raus.

Wir wissen nicht, welche Laus dem Fahrer an jenem Morgen über die Leber gelaufen ist. Auch nicht, ob er sich vorher womöglich mit anderen Fahrgästen herumärgern musste. Doch SO gelaunt sollte der gute Mann höchstens eine Werkstattfahrt machen oder besser gleich Fracht statt Menschen transportieren…