Frohe Weihnachten!

Wir reden vom Klimawandel. Vom Ozonloch. Vom Abschmelzen der Polkappen. Von tropischen Insekten, die sich mittlerweile in unseren Wäldern und Gärten pudelwohl fühlen. Werden in Grönland demnächst Apfelbäumchen und im Sauerland Bananen gepflanzt?

Alles verschiebt sich. Nicht nur das Wetter. Tilo hat auch einen geistigen Klimawandel ausgemacht. Im christlichen Abendland geraten die Festzeiten aus den Fugen.

Heiligabend bleibt Heiligabend, klaro. An den beiden Weihnachtsfeiertagen wird auch nicht gerüttelt. Und Silvester wird wohl weiterhin am 31. Dezember gefeiert.

Doch die gesamte Weihnachtszeit hat sich eindeutig verschoben. Sie dauert eigentlich 40 Tage. Bis zum 2. Februar. Das war der Tag, an dem Maria als junge Mutter wieder als „rein“ galt und der Tag, an dem Jesus wie jeder kleine Jude in den Tempel gebracht wurde.

Wir befinden uns also noch mitten in der Weihnachtszeit.

Aber – Hand aufs Herz – für die meisten ist Weihnachten doch längst Asche. Das Geschenkpapier ist entsorgt, unpassende Geschenke sind umgetauscht, Gutscheine eingelöst und auch die Weihnachtsbäume sind längst entsorgt. Einer steckte jetzt wie ein grünes Krönchen in einem schillernd-orangefarbenen öffentlichen Abfallbehälter.

Wir könnten also noch über drei Wochen Weihnachten feiern! Tun wir aber nicht. Dafür beginnt aber die nächste Weihnachtszeit immer früher. Schon im August können Weihnachtsfans die ersten Spekulatius und Dominosteine naschen. Weit vor Totensonntag bitten Vereine und Gruppen zu vorweihnachtlichen Basaren. Wer alles mitnimmt, ist spätestens in der ersten Advents-Woche so übersättigt von handgeschnitzten und selbstgeklöppelten Deckchen, Figürchen und Kerzlein, dass er oder sie schon weit vor dem Heiligen Abend keinen Stern mehr sehen kann und sich der Magen beim Anblick eines Stollens genervt umdreht. Oh je, du fröhliche …

Aber auch das lässt sich noch toppen. Derzeit überschlagen sich im Handel die Sonderangebote. Der Januar ist Schnäppchen-Zeit. Was hindert uns daran, wenn wir uns jetzt ins Getümmel stürzen und schon einmal die Weihnachtsgeschenke 2013 für unsere Lieben besorgen? Keinen Stress mehr im Dezember, keine Panik am Heiligabendvormittag für die Geschenke-Beschaffung, stattdessen stille Beschaulichkeit, Friedfertigkeit und Vorfreude auf das Fest.

Die Zeiten ändern sich eben. Nicht nur zum Schlechteren. Sag ich doch.