Geliebtes Tier

Die Liebe zum Tier ist oft putzig. Da wird gehätschelt, gepflegt und getätschelt, was das Zeug hält. Nehmen wir nur mal Tilos Nachbarn: Dort wohnen zwei possierliche Kätzchen aus dem Tierheim. An jeder Tür seiner Wohnung sind Türstopper aus Schaumstoff. Mieze soll sich nicht den Schwanz einklemmen…

Unüberhörbar ist das Begrüßungsritual: Jedes Mal, wenn Frauchen von der Arbeit kommt, warten die Katzen sehnsüchtig am Eingang. „Haalloo Baa-byyyys!“, schallt es – mindestens zwei Oktaven höher als normal – durch das ganze Haus: Lang gezogen, natürlich. Entzückung pur.

Der kleine Kater hat zwei große Leidenschaften: Thunfisch und Käse. Da gibt‘s kein Halten mehr. Das ist hilfreich, wenn die Pfote mal im Aschenbecher landete. Dann hält Frauchen die Katze unter den Wasserhahn und wäscht den Fuß. Derweil schiebt Herrchen dem Kater ununterbrochen Thunfisch und Käse zu. Dann ist dem verfressenen Schnurrerich die erzwungene Reinigung völlig egal. Was für ein himmlisches Katzenleben!

Ein Ausnahmefall? Nicht doch! Nur wenige Häuser weiter lebt eine Dame mit einem kleinen, überaus niedlichen Hund, einer Katze und einem Kater. Der Katzenmann hat es faustdick hinter den Ohren: Raufen und jagen gehören zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Dazu gehört natürlich viel eigenes Spielzeug: Ganze 20 Kabelbinder (zum Fangen und Herumtollen) nennt er sein Eigen. Sollten Sie jemals diese Wohnung betreten: Fassen Sie nie, nie, nie! seine Kabelbinder an. Es könnte gefährlich werden. Da kennt der Stubentiger keinen Spaß…

Aber auch draußen tobt die Tierliebe. Es wird endlich wärmer. Beim Spaziergang sehen wir grasende Pferde auf der Koppel. Schöne Tiere. Bunte Tiere. Bunt? In der Tat: Sie sind blau, grün, kariert oder gemustert. Nur an Kopf und Beinen kann man erkennen, wie sie eigentlich aussehen.

Aus Angst vor Erkältungen und Verspannungen packen die Besitzer ihre Hottemaxe auch in der milden Frühlingssonne in dicke Decken ein. Die armen Viecher! Wer würde als Mensch bei 15 Grad in einer zugeknöpften gefütterten Parka herumlaufen? Und dann kommt so ein Trumm auch noch auf den BEHAARTEN Tierkörper. Komisch, dass Pferde früher ganz ohne diesen Kram auskamen. Und Katzen ohne Kabelbinder und Käse. Und Hunde ohne zehn Leinen, Therapeuten und Frisöre.

Es zeigt sich wieder: Tierfreunde sind gute Menschen. Nur manchmal ein bisschen seltsam.

Tilo