Genossen-Spielchen

Der GWG (Gemeinnützige Wohnstätten Genossenschaft)-Geschäftsführer Christoph Rehrmann hat mit seinem vorsichtigen Vorstoß einer Zusammenlegung mit der städtischen Hagewe (Hagener Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft) mächtig Staub aufgewirbelt. Letzte Woche hat sich sogar der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Jörg in die aufgeregte Sommerloch-Diskussion eingemengt. In seiner Stellungnahme greift er tief in die Katastrophen-Kiste. Es droht so ungefähr der Untergang des Abendlandes, wenn die GWG die Hagewe schluckt. Sagt unser Warner-Brother Jörg.

„Geht‘s auch eine Nummer kleiner?“, möchte man da fragen.

Auch seine Hagener Genossen hatten sich zuvor weit aus dem Fenster gelehnt. In einer Resolution wurde behauptet, bei einem Verkauf der Hagewe an die GWG stünde die Attraktivität des Wohnens an der Volme auf dem Spiel. Das heißt im Umkehrschluss: Die GWG (übrigens deutlich älter als die Hagewe) hat sich in ihren über 110 Jahren nicht um ein attraktives Hagen gekümmert. Das ist natürlich dummes Zeugs (und gerade Politiker sollten dies wissen).

Unterschrieben wurde die Resolution übrigens vom Unterbezirksvorsitzenden Jürgen Brand. Der saß pikanterweise als einer der ersten Hagener Politiker vor einigen Wochen bei GWG-Chef Rehrmann im Büro, um Einzelheiten über die Ideen und Vorstellungen der GWG zu hören. Seinerzeit, erinnert sich Rehrmann heute, habe Brand auch nicht den kleinsten Muckser gegen einen GWG/Hagewe-Zusammenschluss von sich gegeben.

Schon Bundeskanzler Adenauer sagte dermaleinst: „Was stört mich mein Geschwätz von gestern?“ Brand denkt da garantiert ähnlich. Wahrscheinlich haben seine Mitgenossen ihm verklickert, dass es bei der GWG (weil es eine Genossenschaft ist) keine Aufsichtsratspöstchen für die SPD zu verteilen gibt – ganz im Gegenteil zur Hagewe. Die Hagewe wiederum ist zwar keine Genossenschaft, aber eine von der SPD höchst geliebte „Pöstchen-Spielwiese“. Was daran liegt, dass die Hagewe der Stadt gehört.

Fakt ist auch: Christoph Rehrmann hat die Lust auf die Hagewe verloren. Und die Genossen rund um Brand, Jörg & Co.? Die können weiterhin darauf bauen, ihre Pöstchen zu bekommen. Alles bleibt wie gehabt. Also ist doch alles wieder in bester Ordnung. Ja keine Veränderungen. Ja keinen frischen Wind. Ja keine Verbesserungen. Gottseibeiuns!

Schade, dass unsere wackeren Lokalpolitiker nicht früher gelebt haben. Wir hätten immer noch so schöne Dinge wie Ärmelschoner, Schlipsnadeln, Buchhüllen, Gamaschen, Stehkragen. O je.

Tilo