Gerechte Strafe für (V)Erbrecher?

Tilo ist nun wirklich kein Fanatiker. Viel lieber geht er das Leben gelassen an und lebt nach dem Motto „leben und leben lassen.“ Zumeist schafft er es, diese Gelassenheit auf alle Lebensbereiche auszudehnen. Nur an einer Stelle versagt seine gepflegte Gemütsruhe regelmäßig: Bei der Zeitungslektüre. Erst kürzlich wieder musste seine Holde ihn retten, indem sie ihm den Artikel des Anstoßes sanft aus den verkrampften Händen wand und ihm liebevoll kühlende Luft ins hochrote Gesicht fächelte.

Gelesen hatte Tilo einen Artikel über einen jungen Mann in den Vereinigten Staaten, der bei einem Baseballspiel mit anderen Fans eine Meinungsverschiedenheit hatte. Seinem Verdruss verlieh er auf sehr ungewöhnliche Weise Ausdruck: Er erbrach sich absichtlich auf ein junges Mädchen.

Ziemlich widerlich, sowas, oder? Zuerst richtete sich Tilos Unmut also gegen den spuckfreudigen jungen Mann – und er dachte sich einige dem Vergehen angemessene Strafen aus. Wie wär‘s mit Putzdiensten zum Beispiel auf dem Bahnhofsklo oder in der Ausnüchterungszelle der Polizei? Tilo hätte viele gute Ideen gehabt, um dem 21-Jährigen klar zu machen, wie unangenehm der unerwünschte Kontakt mit den Körperflüssigkeiten anderer sein kann.

Aber noch mehr als über den jungen Mann hat sich Tilo über die Strafe geärgert, die dem (V)Erbrecher dann tatsächlich zuteil wurde: Bis zu drei Monate Haft, dazu zwei Jahre Bewährung, 50 Stunden Sozialdienst und über 300 Dollar Geldstrafe. Knast fürs Kübeln??? So eklig die Verfehlung des Mannes  gewesen sein mag, aber ist das ein angemessenes Strafmaß? Zum Vergleich: In Deutschland  bekam ein Vater kürzlich für die über zweihundertfache (!) Vergewaltigung seiner Tochter was? Eine zweijährige Bewährungsstrafe. Sowas nennt sich Rechtsprechung!

Wie gesagt, Tilo ist kein Fanatiker, aber manchmal, wenn er von der so genannten Gerechtigkeit an den Gerichten dieser Welt liest, dann würde er gerne das tun, was in Amerika mit bis zu dreißig Tagen Haft bestraft wird…

Tilo