Gottgegeben?

Der neue Innenminister Horst Seehofer durfte neulich die Zahl der im Jahr 2017 registrierten Straftaten in Deutschland präsentieren. Sie liegt bei knapp 5,8 Millionen Delikten –rund zehn Prozent niedriger im Vergleich zum Vorjahr. Das ist, freute sich Seehofer, der niedrigste Stand in diesem Jahrtausend. Das rief natürlich sofort Widerspruch hervor. Vor allem rechte Kreise und die üblichen Zirkel der Verschwörungstheoretiker bezweifelten prompt Seehofers Angaben und versuchten ihren Anhängern stattdessen einzureden, dass wir weiterhin in großer Angst leben müssten. Schuld daran sind in ihren Augen – natürlich – die Migranten.

Tilo hat sich mal in seinem engeren Verwandten- und Freundeskreis umgehört, ob es in den zurückliegenden Monaten irgendwelche nennenswerten Vorfälle gegeben hat. Wurde bei uns eingebrochen? Nein. Wurde uns etwas gestohlen, zum Beispiel das Auto? Nein. Wurde uns etwas beschädigt? Nein. Wurden wir verletzt? Nein. Wurde einer von uns begrapscht? Nein. Zumindest Tilo muss Seehofer voll und ganz bestätigen: Es scheint um unsere Sicherheit nicht schlecht bestellt zu sein.

Ach, halt, fehlt da nicht noch was? Wurde Tilo in den vergangenen Jahren bedroht? Ja. Zum einen von Lesern, denen irgendwas nicht passte, was er geschrieben hat (hierzu ein Originalzitat eines bekannten Hageners: „Schreibst du noch einmal über mich, komme ich vorbei und polier dir die Fresse.“). Zum anderen von Vertretern der Hagener Trinkerszene sowie von mehreren Autofahrern – zum Beispiel von Falschparkern –, die Tilo freundlich auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht hat, so vor einer Bank im Einmündungsbereich von Karl-Marx- und Bahnhofstraße.

Natürlich kann sich auch Tilo nicht von dem einen oder anderen mulmigen Gefühl freimachen. Schließlich gibt es genug Gestörte, die in unseren Städten leben. Nicht nur Islamisten. Sondern beispielsweise auch Waffenfanatiker, Rechtsradikale und potentielle Amokläufer. Allein die Zahl der Reichsbürger wird in Deutschland mittlerweile auf 18.000 geschätzt. Lange Zeit wurden sie von Polizei und Behörden eher belächelt und verharmlost. Dabei hortet so mancher Radikal-Reichsbürger erhebliche Mengen an Flinten und Colts.

Die größte Angst hat Tilo aber auf unseren Straßen. Handy-Telefonierer, Raser, übermüdete Kurierfahrer, Alkoholiker und andere Drogensüchtige stellen ein Gefahrenpotential vom Allerschlimmsten dar. Aber die von ihnen verursachten Opfer werden von den meisten Deutschen quasi „als gottgegeben“ hingenommen.

Seltsam, oder?

Tilo