Griechenland, Euro und Frühstückstisch

Tilo saß ahnungslos am Frühstückstisch. Da sagte sein angetrautes Honighummelchen: „Ich brauche mehr Haushaltsgeld. Die Wocheneinkäufe für Lebensmittel waren so teuer – ich bin pleite!“ Was tun? Nachschießen? Tilo wusste: wenn er jetzt klaglos nachgab, würde sich diese Situation garantiert bald wiederholen. Also, zusätzliches Geld reinstecken oder „mauern“? Anderseits – wenn Tilo nicht mitziehen würde, könnte natürlich auch die Ehe auseinanderfliegen – keine schönen Aussichten. Also, was tat Tilo? Er griff seufzend in sein Portemonnaie, ermahnte seine Holde zur Sparsamkeit und hoffte auf Einsicht und Besserung im finanziellen Gebahren der Gattin.

Ersetzen Sie im obigen Text einfach „Gattin“ durch „Griechenland“ und nehmen Sie „Euro-Land“ statt „Ehe“. Ganz einfach, oder?

Jeder kennt das von sich: Es gibt Monate, da mehren sich plötzlich die Ausgaben. Etwa, weil die Waschmaschine kaputt geht oder das Auto. Normalos wie wir verzichten dann bei den nächsten Einkäufen auf Steaks, Bananen, Edel-Käse, Pralinen und kaufen dafür Mettwurst, Möhren, Kartoffeln, Mehl und Haferflocken ein. Diese Lebensmittel kosten nur ein paar Cent und ergeben trotzdem leckere, nahrhafte Mittagessen. Dann noch ein Stern weniger beim Urlaubshotel und schon ist die Kurve geschafft.

Ganz anders haben es in den letzten Jahrzehnten die USA und die Euro-Staaten gemacht. Nicht einer – auch nicht Deutschland – hat sich an den guten, alten Rat erinnert: „Maß halten!“ Stattdessen wurden Wohltaten übers Wahlvolk ausgeschüttet – auf Kredit. Diese Schulden treiben uns jetzt an den Rand des Ruins. Das beste Beispiel für grottenschlechtes Haushalten ist bekanntlich Griechenland. Oder auch die Stadt Hagen mit ihrem Milliarden-Schuldenberg.

Und die Politiker? Zeigen sich hilflos. Neulich in Berlin mussten die Spezialisten vom Bundestags-Haushaltsausschuss über zwei Möglichkeiten zum „Kredit-Hebel“ bei der Griechen-Rettung abstimmen: „Es besteht die inhaltliche Möglichkeit, dass Option 1 zu einer statistischen Erhöhung der Bruttoverschuldung des Mitgliedsstaats führt, da sich der Schuldenstand aufgrund des bonitätsverbessernden Kredits des EFSF an den Mitgliedsstaat erhöhen würde. Bei Option 2 stellt sich diese Frage möglicherweise nicht.“

Na, irgendwas verstanden? Nee? Macht nichts. Auch die meisten Mitglieder des Haushaltsausschusses blicken nicht mehr durch.

Und die anderen Ahnungslosen bei der Euro-Rettung in Regierung und Opposition? Sind völlig baff. Machen die böse, böse Finanzindustrie an und wollen den verunsicherten Märkten Fesseln anlegen, jetzt, wo die bösen, bösen Banken fragen: „Wann kriegen wir unser Geld zurück? Könnt Ihr eigentlich Eure Schulden jemals wieder zurückzahlen?“ Es ist zu großen Teilen übrigens das Geld der Sparer und Lebensversicherten, nicht Banken-Geld, was da auf dem Spiel steht, wohlgemerkt.

Dabei ist alles ganz einfach. Jedes Land, auch Deutschland und Griechenland, ist die Zusammenfassung von vielen, vielen Familien. Und was im Kleinen gilt, gilt auch im Großen. Die Lösung der Euro-Krise liegt auf dem Frühstückstisch!

Tilo