Gurken-Fahrer und Gurken-Zähler

Es lebe das Vorurteil: Autofahrer aus größeren Städten rümpfen gerne die Nase über ihre „Kollegen“ vom Land und deren Fahrkünste. Ihre Kennzeichen werden verhöhnt und umgedeutet. Das Kürzel „HSK“ steht nicht für Hochsauerlandkreis, sondern für „Hilfe, sie kommen!“ Und die Autofahrer aus „EN“ haben bundesweit einen schlechten Ruf als „Europas Nieten“.

Eine Studie vom WDR sagt: Alles falsch. Die Autofahrer aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis gehören zu den besten im Land und umgekehrt die aus Hagen zu den schlechtesten. Doch halt, stopp! Genauer hinschauen lohnt sich.

Es geht beispielsweise um die Zahl der Unfälle in einem Kreis oder in einer Stadt. Diese Zahl ist in Hagen ziemlich hoch. Logisch, wo viele Autos fahren, gibt es auch viele Unfälle. Das liegt an der Zahl der Autos und nicht an der Qualität der Fahrer, lieber WDR. In einem vollen Straßenbahn-Bus wird man häufiger angerempelt als bei einer stillen Waldwanderung. Sind deshalb die Spaziergänger höflichere Menschen? – Hinzu kommt: häufig ist an einem Unfall in unserem schönen Städtchen ein Autofahrer aus dem Sauerland beteiligt. Und oft genug sieht man Unfälle, bei denen überhaupt kein Hagener zugegen ist, sondern einzig Lenker „vom Lande“. Trotzdem lastet der WDR diese Crashs zwischen Auswärtigen den Hagenern an. Ein schlechter Witz!

Der WDR hat noch eine zweite Zahl, die beweisen soll, dass die Hagener miserable „Kutscher“ sind: die Zahl der stationären Blitzkästen. Mit 29 sei auch diese Zahl besonders hoch (NRW-Durchschnitt: acht!). Das schlägt dem Fass endgültig den Boden aus. Als ob es diese Blitz-Kisten wegen unserer Fahrkünste gibt! Viele von ihnen stehen an Stellen, die einzig und allein darauf ausgerichtet sein, die Einnahmen der Stadt zu erhöhen – etwa die Blitzer an der Bechelte. Oder die im „Niemandsland“ von Zwieback Brandt, wo es plötzlich mitten auf einer Bundesstraße eine seltsame Tempo-30-Zone gibt. Im Hagener Haushalt sind die Strafen wegen zu schnellen Fahrens als Einnahmen fest eingeplant – als Teil des städtischen Sparpaketes. Gibt es diese Gelder nicht, schimpft der Regierungspräsident.

Wäre mal spannend zu erfahren, wer vorrangig in diese Fallen tappt. Die Einheimischen oder die Auswärtigen? Tilo hat da eine glasklare Vermutung…

Sei‘s drum – ein Trost bleibt: die Menschen aus Bielefeld und aus Wuppertal sind angeblich noch schlechtere Autofahrer als die Hagener. Aber wahrscheinlich wurde dort genauso komisch gerechnet…