Guter und schlechter Rutsch

In der Hagener Innenstadt wurden die Schneemassen in den letzten Tagen zusammengeschoben. Ein erheblicher Teil soll dann zum Kirchenberg in Hohenlimburg transportiert werden, wo er beizeiten langsam wegschmelzen kann.(Foto: Ricarda Becker)

„Vierte Schneewoche. Der Alltag für die Bürger wird immer beschwerlicher. Müll bleibt überall liegen. Mehreren Tankstellen ist bereits das Benzin ausgegangen, weil die Tankwagen nicht angelangen konnten. Der Öffentliche Personennahverkehr fährt nach wie vor zahlreiche Ortsteile nicht an…“

Keine aktuelle Meldung aus Hagen, sondern aus Essen. Hätte aber auch für Hagen gestimmt. Und die zugehörigen Kommentare sind in Essen ebenfalls deckungsgleich mit denen in Hagen. Von Skandal ist die Rede. Von Unfähigkeit. Die Mitarbeiter des Essener Entsorgungsbetriebs wären fauler als in den anderen Städten des Ruhrgebiets undsoweiter undsofort.

Tilo hat sich Essen als Pott-Metropole Nummer eins herausgepickt. Er hätte auch viele andere Ruhr-Kommunen unter die Lupe nehmen können. Etwa Witten. Oder Dortmund, wo am Montag sämtliche Kindertagesstätten geschlossen blieben. Kurzum, Tilo hätte (fast) überall das gleiche Bild wie in Essen – oder Hagen – beschreiben können.

Auch der „NRW-Landesbetrieb Straßen“ gerät unter Druck. Er verstreute in den letzten Wochen 170.000 Tonnen Salz auf Autobahnen und Landstraßen. Ein absoluter Rekord! Jetzt sind die Lager leer. Deshalb können nicht mehr alle Spuren und Strecken auf den Autobahnen von Schnee und Eis befreit werden.

Warum Tilo das alles erzählt? Nun, nicht um den heimischen HEB reinzuwaschen, sondern weil beim Blick über unsere Stadtgrenzen klar wird, dass wir Flachland-Tiroler mit den wahnsinnigen Schneemassen dieses Winters überfordert sind. Experten zufolge hat es seit Jahrzehnten in unseren Breitengraden keinen vergleichbaren Dezember mehr gegeben.

Schuld sei die Erderwärmung, sagen Klimaforscher. Na ja. Als wir vor drei, vier Jahren praktisch gar keine Winter hatten, hieß es auch, daran sei die Erderwärmung schuld. Sehr überzeugend klingt das nicht. Aber Tilo ist kein Fachmann.

Er ist nur froh, dass bei uns in Deutschland trotz der gigantischen Schneemassen fast alles gut funktioniert hat und nicht – wie beispielsweise in Polen – die Energieversorgung zusammengekachelt ist. Noch nicht. Er mag sich gar nicht ausmalen, was passiert, wenn wir hauptsächlich auf heimische Wind-, Wasser- und Solarenergie angewiesen wären. Dann sprächen wir jetzt nicht nur über liegengebliebenen Müll und einige ausgefallene Busse …

Aber soweit ist es, gottlob, noch nicht. Uns steht „nur“ 2011 ins Haus. Vorsicht Eis! Ein guter Rutsch – und das Jahr ist futsch. Bleibt alle, liebe Leute, gesund und fröhlich! Oder werdet es wieder!

Tilo