Halb rasiert

In den ersten Frühlingswochen im März gab es in NRW bereits zehn tote Motorradfahrer. Zu hohe Geschwindigkeit und Überschätzung des eigenen fahrerischen Könnens, sagt die Landesregierung.

Heftig! Aber nicht verwunderlich. Denn kaum umschmiegt uns die Sonne mit ihren ersten warmen Strahlen, setzt bei manchen Menschen der Verstand aus. Wie vor ein paar Tagen in der Brunnenstraße. Tilo im Auto hatte einen jungen Mann auf dem Moped vor sich. In Schlangenlinien pendelte er hin und her. Was im ersten Augenblick nach Alkohol aussah, war purer Übermut. 20 Grad in der Sonne führten offenbar zur Kernschmelze unter dem ungekühlten Helm. Der Jüngling toppte seine Tour mit einer scharfen 180-Grad-Wende. So stand er urplötzlich in Gegenfahrtrichtung vor Tilos Kühlerhaube. Nur eine Vollbremsung verhinderte, dass der Dummkopf zur Kühlerfigur wurde.

Autofahrer sind manchmal auch nicht besser. Neulich war Stau auf der Sauerlandlinie. Zwangsläufig schaut man in andere Fahrzeuge. Irrsinn! In einem Auto saß ein dicker Hund auf dem Schoß des Chauffeurs. Ein anderer Wagen wurde offenkundig mit den Knien gelenkt – weil der Fahrer in der einen Hand ein Handy und in der anderen eine Zigarette hielt. Im dritten Fahrzeug frühstückte der Fahrer – mit Kaffee und Sandwich. Nummer vier schoss den Vogel ab. Er fiel besonders auf, weil er merkwürdig abrupt fuhr. Alkohol? Nee, der Mann am Steuer eines großen SUV rasierte sich!

Ein Einzelfall? Nein. Gleich am Montag hatte Tilo ein ähnliches „Schauspiel“ unmittelbar neben sich – auf der A46 Richtung Iserlohn. Irgendwo bei Letmathe wurde Tilo von einem jungen Seat-Fahrer überholt. Auch der fuhr etwas merkwürdig. Warum? Liebe Leser, Sie haben es schon erraten; auch dieser Mann rasierte sich während der Fahrt. Bei Tempo 130!

Was wir daraus lernen? Wenn es demnächst mal wieder scheppert, erst mal nachgucken, ob der „Unfallgegner“ nur halb rasiert ist…

Tilo