Hicks!

Die Ladenschlussgesetze der Bundesländer – ein wunderschönes Beispiel treudeutscher Regelungswut. An den bayrischen Tankstellen dürfen neuerdings nach 20 Uhr nur noch Autofahrer ihr Bierchen süppeln. Kommt hingegen ein durstiger Radfahrer oder gar ein Fußgänger heißt es „Nix da – schleich di!“

Diese merkwürdige Regelung steht im frisch umgemodelten Paragrafen 6 des bayrischen Ladenschlussgesetzes. Hiernach dürfen Tankstellen Alkohol tatsächlich nur noch an Autofahrer verkaufen – und zwar bis zu zwei Litern Bier. Oder eine Flasche Wein oder ein kleines Pülleken Schnaps. Radfahrer, die auf dem Weg zu ihrer Herzallerliebsten mal eben an einer Tanke eine Flasche Sekt erwerben wollen, müssen künftig auf gnädige Autofahrer hoffen, die ihnen den „Perlwein“ kaufen und dann klammheimlich hinter der nächsten Ecke in die Satteltasche stecken.

Mittlerweile hat sich auch das Münchener Sozialministerium zu dieser Banane-Bestimmung geäußert: man habe einen uralten Paragrafen etwa konkreter gefasst. Früher hieß es, „nur Reisende dürfen zur Aufrechterhaltung ihrer Fahrtüchtigkeit nach Ladenschluss Essen und Trinken kaufen“.

Die Formulierung mit den „Reisenden“ sei aber zu schwammig gewesen, weshalb das Bundesverwaltungsgericht vor gut eineinhalb Jahren feststellte, dass Radler und Fußgänger keine Reisenden sind, somit eher einer gut verwurzelten deutschen Eiche ähneln.

Den Bürgern der meisten anderen Bundesländer kann dieser spinnerte und reichlich weltfremde Richterspruch wurscht sein, weil sie modernere Ladenschlussgesetze als die Bayern genießen. Allerdings plant auch die rot-grüne nordrhein-westfälische Landesregierung längst den Weg zurück in die Steinzeit.

Die Bajuwaren wollen jetzt protestieren. Gut so. Der FDP-Nachwuchs hat am 1. September um 20 Uhr zur Demo vor den Tankstellen aufgerufen.

Sollte die CSU einknicken, keine Sorge, die haben den nächsten Schwachsinn bestimmt schon in der Pipeline!