Hinter Gittern

Kollegin Manuela wollte ihr neues Herzblatt in Essen besuchen, mit der Bahn. Um den Zug bloß nicht zu verpassen, war die Hagenerin überpünktlich am heimischen Bahnhof. Doch, ach, die Nervosität drückte ihr auf die Blase. Es half alles nichts, sie musste – erstmals in ihrem Leben – die öffentliche Bahnhofstoilette aufsuchen.

Nach Münzeinwurf ging‘s butterweich durch das Drehkreuz zur Stätte der Erleichterung. Doch dann der Alptraum beim Rückweg: die Metallstäbe ließen sich nicht bewegen, egal wie sehr Manuela drückte und ruckelte. Gefangen auf dem Bahnhofsklo! „Zug adé! Schatz adé!“, schoss es der Hagenerin durch den Sinn. Die Schließanlage zu überklettern war unmöglich. Doch vielleicht passte sie durch den unteren Querbalken? Beherzt warf sich Manuela auf den Boden, robbte über die Toilettenfliesen, jeden Gedanken verdrängend, was sie dort wohl gerade bäuchlings vom Boden aufsammelte. Schlangengleich wand sie sich durch den engen Spalt und gelangte tatsächlich in die Freiheit.

Gerade wieder auf die Füße gekommen, hörte sie ein Jammern hinter sich: „Ich komme hier nicht raus! Können Sie mir helfen? Mein Zug fährt jeden Moment!“ Eine ältere Dame steckte hinter „Gitter“. In Panik und mit Rollkoffer. Manuela fiel nur eine Lösung ein: „Reichen Sie mir Ihr Gepäck rüber! Und: Können Sie kriechen ?“ – Sekunden später lag die Seniorin auf dem Bauch, streckte auf Manuelas Anweisung die Arme nach vorne und ließ sich unter dem Drehkreuz nach draußen ziehen. Überschwänglich dankend ließ sich die Frau auf die Beine helfen, um eiligst ihren Zug zu erreichen.

Ein bisschen verschwitzt, verschmutzt und zerknittert erreichte auch Manuela mit leicht erhöhtem Puls ihre Bahn. Das Rendezvous war gerettet…

Die Deutsche Bahn hat letzte Woche verkündet, sie wolle etliche Millionen Euro in die Renovierung ihrer Bahnhöfe stecken. Ob davon auch ein paar Talerchen nach Hagen fließen? Damit man hier wenigstens problem- und gefahrlos das Klo verlassen kann…