Im Kopf

EHEC, dieser kleine Sau-Bazi, ist anscheinend eingekesselt. Endlich. In wenigen Tagen ebbt die Epidemie – hoffentlich – wieder ab.

Trotzdem: Das war alles gaaaaanz schlecht organisiert mit der neuesten deutschen Gruselseuche: Einen Impfstoff gegen den bakteriellen und öffentlichen Erreger EHEC gibt es nicht, und die Suche nach ihm selbst war trostloser als das Stöbern nach grünen Ostereiern im brasilianischen Regenwald.

Früher war alles besser. Sagen ja schon die Namen. Beim Rinderwahn, bei Vogel- und Schweinegrippe, da wusste man noch, wo die Killer-Kameraden aufzustöbern waren. Aber wo sollte EHEC stecken?

Die spanische Gurke wäre ja eigentlich ganz praktisch gewesen. Solange wir glauben durften, das auswärtige Kürbisgewächs (jaja!) sei Träger des Übels, da hatte man wenigstens noch Schuldige, auf die man zeigen konnte. Außerdem fand es Tilo spitze, dass die leckersten Blattsalate nebst Tomaten zu Spottpreisen in der Gemüseabteilung dem Vermodern entgegenwelkten. „Sie sind der Erste seit zwei Tagen, der bei uns eine Gurke kauft“, hieß es neulich in seinem Stammsupermarkt. „Immer gern, wenn‘s so günstig bleibt“, strahlte unsereins und verwöhnte sich drei Tage lang mit super-preiswerten Tomaten, Kopf-, Eichblatt- und anderen Salaten.

Mittlerweile wissen wir: Es waren die Sprossen aus einem Bienenbütteler Biobetrieb, die dem Sensenmann Zusatzschichten bescherten. Schon glaubte Tilo am Pfingstsonntag beim Frühstück, zwei der Erreger auf seinem Sesambrötchen entdeckt zu haben. Aber die merkwürdigen Fremdkörper entpuppten sich als zwei Mohnkörner, die sich wohl in der Backofentür geirrt hatten.

Während Tilo und seine Herzallerliebste (und mit ihnen weitere Hunderttausende) ganz gelassen bleiben, werden anderswo im Land weiterhin Verschwörungstheorien gestrickt. So gibt es immer noch Leute, die glauben, hinter dem Killer-Keim stecke ein Al-Qaida-Terrorist oder ein afghanischer Taliban. Der habe quasi als Selbstmord-Bio-Attentäter ein in der Küche gezüchtetes Killer-Keim gefuttert und es dann mit dem Umweg übers Klo in Deutschland in Umlauf gebracht. Ähnlich verschrobene Ansichten hört man auch von manchen Stramm-Vegetariern. Sie glauben tatsächlich, hinter dem Erreger stecke die Fleischindustrie. Die Schlächter wollten ihnen die gesunden Sprossen und Salate madig machen.

Da wird Tilo das Gefühl nicht los, manche dieser Zeitgenossen hätten auch so etwas Ähnliches wie EHEC intus – aber am entgegengesetzten Ende des Körpers – im Kopf.

Tilo