In den Brunnen gefallen

Eigentlich machen Erzieher und Erzieherinnen in den Kindergärten einen Job, wofür ihnen viele andere Menschen die Füße küssen müssten. Vor Dankbarkeit. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Sie sind wenig anerkannt, bekommen eine magere Bezahlung und dafür müssen sie liebevoll, entspannt und immer mit bester Laune die Kinder wildfremder Eltern groß ziehen.

Den miesen Bezahlungen zum Trotz haben viele „Kindergärtnerinnen“ (es geht ja fast ausschließlich um Frauen) früher diesen Spagat noch halbwegs gestemmt. Doch die „gemütlichen“ Zeiten sind vorbei. Seit der seinerzeitige Familienminister Armin Laschet das „Kinderbildungsgesetz“ (KiBiz) ohne Sinn und Verstand durch den Landtag prügelte, geht es in vielen Kitas drüber und drunter. Waren früher die meisten Erzieherinnen in Vollzeit beschäftigt, müssen heute – wegen KiBiz – immer mehr Frauen in dieser „Branche“ nur noch halbtags oder in befristeten Arbeitsverhältnissen über die Runden kommen. Von ihrem Gehalt können vor allem die jüngeren Erzieherinnen in der Regel nicht mehr leben und müssen daher oft noch einen zweiten Job machen. Von entspannter Atmosphäre im Kinderkrippen-Zimmer bleibt da wenig.

Kaum verwunderlich, wenn immer weniger Menschen noch Lust auf diesen Job haben. Dabei brauchen wir Erzieherinnen in den nächsten Monaten dringender denn je. Schließlich – Tilo hat es neulich schon berichtet – hat die Bundesregierung einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz sogar für die unter Dreijährigen gesetzlich verankert. Momentan fehlen schätzungsweise noch über 30.000 Erzieherinnen oder Erzieher. Vor allem in NRW, dem bundesweiten Schlusslicht. Da wird auf die Städte – etwa Hagen – noch viel Ungemach zukommen, was richtig ins Geld geht. Zum Beispiel Schadenersatzansprüche von Eltern, die keinen Krippen-Platz gefunden haben. In Mainz hat eine Familie einen entsprechenden Prozess gerade gewonnen, weil die Rheinland-Pfälzer Politiker noch fixer sein wollten als die anderen Bundesländer und die Berliner Versprechungen noch verschärften.

Am schnellsten käme man in NRW aus der Bredouille, wenn KiBiz endgültig versenkt, die Entlohnung angehoben und der Job attraktiver gemacht würde. Aber wie Tilo die Politiker kennt, werden sie das Kind wohl erst einmal in den Brunnen fallen lassen. Die sündhaft teure Rettungsaktion und die verlorenen Prozesse dürfen wieder wir alle bezahlen.