In die Botanik

Vor ein paar Tagen auf einem Wehringhauser Spielplatz. Tilo möchte dort mit seinem Enkel einen netten Nachmittag verbringen. Funktioniert aber nicht. Nach einem Dreiviertelstündchen „kratzen“ beide die Kurve – der Müll auf dem Platz hat ihnen den Spaß verdorben. Dabei ist es nicht der übliche Wehringhauser Sperrmüll, der ihnen die Freude geraubt hat, nein, der steht eher in den Straßen. Stattdessen sind es eher die „kleinen, ekeligen Abfälle“, die Opa und Enkel in die Flucht schlagen.

Da sind zum Beispiel mehrere junge Mütter, die für ihre Sprösslinge jede Menge Süßkrams bereithalten. Die Kinder machen von diesem Angebot auch reichlich Gebrauch – mit dem Ergebnis, dass jede Menge Verpackungsmüll produziert wird. Den könnte man problemlos im nahen Abfalleimer entsorgen. Doch zwischen Theorie und Praxis liegt die Adria, sagen die Italiener. Und so ist es auch in Wehringhausen an diesem Tag – statt in den vorgesehenen Bottichen landen die Verpackungen in der Botanik. Dazu gesellen sich noch zahllose Kippen, denn die Mütter sind obendrein auch noch starke Raucherinnen.

Nicht, dass ein Leser jetzt denkt, es habe sich um zugewanderte Frauen vom Balkan gehandelt, die hier so grob fahrlässig ihren Müll über den Platz verstreuten. Nee, nee, es waren „Eingeborene“, also „Original-Deutsche“.

Fachleute sprechen bei der „achtlosen Vermüllung ihrer Umgebung“ inzwischen von „Littering“. Der Begriff stammt aus dem Englischen, das Wörtchen „litter“ bedeutet „Müll“. Littering ist eine „Schweinerei“, mit der inzwischen die meisten Städte zu kämpfen haben, nicht nur Hagen und insbesondere Wehringhausen.

Schon vor über 20 Jahren haben Tilo und seine Kolleginnen in einer wochenlangen Kampagne („die Saustelle der Woche“) auf dieses Phänomen aufmerksam zu machen versucht – und das war lange vor der Zuwanderungswelle. Schon im Jahr 2003 kam eine europaweite Studie zum Ergebnis, dass in den Städten Zigarettenstummel mit 58,3 Prozent die am meisten weggeworfenen Gegenstände sind. An zweiter Stelle folgen Kunststoffe (11,6 Prozent). Auf dem Wehringhauser Spielplatz fand „Opa Tilo“ diese uralte Studie vor einigen Tagen hundertprozentig bestätigt.

Typisch für „Littering“ ist auch das Verhalten einer „mittelalterlichen“, blonden Frau, die morgens oft an Tilos Haus- und Hof-Bushaltestelle wartet. Sie raucht, bis ihr Bus kommt. Dann drückt sie die Zigarette auf dem Mülleimer aus und schnipst anschließend die Kippen gern ins Gebüsch oder auf die Straße. Man könnte sie leicht in den Eimer werfen, aber das wäre sicherlich zu ordentlich. Ähnlich „doof drauf“ ist auch ein circa 50-jähriger Mann im Jeans-Anzug, der hin und wieder nachmittags mit einer Fluppe und einer Flasche Bier an Tilos Bus-Halt steht. Sobald der Bus für den Jeans-Mann kommt, fliegt die Rest-Zigarette auf die Straße und die halbvolle Flasche wird in die Wartehäuschen-Ecke gestellt. Was soll das?

Bei einem solchen Verhalten fragt sich Tilo stets unweigerlich, wie es bei diesen Menschen wohl daheim aussieht. Haben die ein Wohnzimmer voller Kippen oder Flaschen?

Tilo