In voller Sternhagelfahrt…

Die Fußball-WM ist lange vorbei. Ab und zu liest man aber noch eine Geschichte, die Tilo an den eigenen Aufenthalt zur Fußball-WM in Südafrika erinnert.

Mit einigem Kribbeln denke ich an die Kleinbusfahrt vom Markt in White River zum Hotel „The Winkler“. Im Autofahrerdeutsch könnte man sie beschönigend als „sportlich“ bezeichnen. Die Karre pickepackevoll mit Einheimischen und eben Tilo, forderte unser Fahrer dem alten Toyota wahre Höchstleistungen ab. Und eine Grundregel wird in südafrikanischen Kleinbusfahrschulen offenbar besonders gründlich gelehrt: Überholen geht immer. Am Ziel jedenfalls war der Gast aus Europa mehr in Schweiß getaucht, als wenn er die Strecke zu Fuß zurückgelegt hätte.

Dabei hatte ich noch Glück: In der „ZEIT“ war jetzt von einer noch nervenzerfetzenderen Bustour in Kamerun die Rede – mit einem wie besessen rasenden Busfahrer und einem nur noch teilweise vorhandenen Bodenblech. Das große Aha-Erlebnis kam aber beim unfreiwilligen Zwischenstopp in einer Polizeikontrolle: Der Fahrer hatte ganz gepflegt einen in der Krone!

Also Ende der Busfahrt – und der beschwingte Pilot zur Blutprobe ins Spital?

Nicht in Kamerun! Dort ist die Polizei noch echter Freund und Helfer. Sie befahl dem Fahrer, zur Ausnüchterung ein paar Runden um den Bus zu laufen. Danach wurde er von den Ordnungshütern wieder als fahrtüchtig eingestuft. Die Worte des ehemaligen bayerischen Landesvaters Günter Beckstein, wonach man nach ein, zwei Maß durchaus noch ans Steuer kann, müssen sich also bereits bis in den Busch herumgesprochen haben …

Doch nicht nur deutsches Bier, auch ein anderer Exportschlager erfreut sich südlich des Äquators seit der WM größter Beliebtheit: der Fußball! Der war ja bis vor wenigen Jahren auch nur noch im Suff zu ertragen, wie Rudi Völler und Waldemar Hartmann im Rahmen des legendären Weißbier-Interviews so sauber heraus gearbeitet haben. Doch seit ein gewisser Oliver Bierhoff bei der Nationalmannschaft auf dem Managerstuhl sitzt, geht‘s aufwärts mit dem ehedem als Rumpelfußball verschrieenen Gekicke made in Germany. Und bei der WM haben sich die „Swinestiger“ und Co. endgültig in die afrikanischen Herzen gespielt. Deutscher Fußball – das ist jetzt der Fernsehschlager bei den Sportfans in Kapstadt, Johannesburg und Pretoria.

Und das muss wirklich sportliche Gründe haben. Denn längst nicht alle südafrikanischen Sportfans sind von Beruf Busfahrer …

Tilo