Karneval mit 67

Es gibt politische Themen, die sind nur noch „würg“. Nicht nur unser Problem-Präsi. Auch die Rente ab 67 ist so ein gründlich abgenagter Knochen. Immer weniger Jugendliche, die in die Rentenkasse einzahlen, immer mehr Senioren, die immer älter werden. Das ist unbestrittener Fakt. Da muss die Altersgrenze angehoben werden, wenn unser Rentensystem nicht aus der Kurve fliegen soll.

Bis 2029 wird die Regelaltersgrenze nun ganz allmählich angehoben. Bis 2029! Oder doch nicht? Ob Bayerns Seehofer oder Lafontaine und die Linke… – die Nörgler, Zweifler und Warner Brothers reiten weiter lustvoll auf diesem wirklich abgelutschten Thema. Genauso könnte man auch eine weitere Rakete zum Mond schicken, um nachzuforschen, ob die Mondoberfläche nicht doch vielleicht aus Käse besteht. Ach, Heimatland!

Vor gut 120 Jahren wurde die staatliche Rente eingeführt. Im Prinzip ist sie bis heute unverändert. Nicht nur die Arbeiter waren seinerzeit heilfroh. Auch die Unternehmer. Etwa Emilie Elbers. Die Dame war anno dunnemals Mitbesitzerin einer Textilfabrik in Hagen. Sie bejubelte die Renten-Einführung sogar in ihrem Tagebuch. Um gleichzeitig zu kritisieren, dass man das Rentengeld erst ab 70 bekäme und kaum ein Arbeiter so alt werde. Übrigens gab es 1890 auch noch erheblich längere Wochenarbeitszeiten als heute.

Seitdem ist viel passiert. Die Deutschen werden – gottlob – deutlich älter als 70. Die Lebenserwartung steigt in rasantem Tempo.

Wir werden nicht nur älter. Die „60er“ sind im Allgemeinen auch deutlich leistungsfähiger als zu den Zeiten von Emilie Elbers. Vergreisung und Siechtum haben sich kräftig nach hinten verschoben. Das liegt an der modernen Medizin. Sie hat uns schöne Dinge wie künstliche Hüftgelenke, Herzschrittmacher und schlagkräftige Tabletten beschert. Mediziner sind deshalb überzeugt: Die Rente ab 67 ist aus gesundheitlicher Sicht für neun von zehn Deutschen kein Problem. Die Damen und Herren in den weißen Kitteln halten heute sogar die „Rente ab 70“ für locker machbar.

Das gefällt nicht jedem. Auch der DGB Hagen wiederholt gebetsmühlenartig sein „entschiedenes Nein zur Rente ab 67“.

Und jetzt dies: Derzeit wird diskutiert, ob Joachim Gauck im Falle eines Wulff‘schen Falles doch noch unser neuer Bundespräsi werden könnte. Der Mann wird in Kürze 72 Jahre alt. Und dann Bundespräsident bis 77? Ein turbulentes Amt, mit Termindruck, Reisestress und höchster Verantwortung – das geht. Aber als Beamter im Einwohnermeldeamt mit 67 einen neuen Personalausweis für einen Bürger ausstellen – das geht keinesfalls?

Ist doch noch gar nicht Karneval!

Tilo