Katastrophe

Anfang der Woche war in Kalifornien wieder Oscar-Verleihung. Hagen ging leer aus. Klar! Zwar sind an der Volme in den letzten Jahren viele tolle Dokus gedreht worden. Mal standen die Basketballer im Mittelpunkt, meist aber die zerrütteten Stadtfinanzen.

Für so was gibt es keinen „amerikanischen Gold-Bubi“. Und Hagens Tanz auf dem heißen Pleite-Vulkan ist wahrlich nichts Neues. Tilo schmökerte im „Hagener Jahrbuch“ von 1995. Er stieß auf einen Aufsatz von Hildegund Kingreen. Die seinerzeitige Fraktionssprecherin der Grünen schrieb: „Hagen steckt in einer katastrophalen Finanzsituation.“ Schon damals gab die Volmestadt mehr Geld aus als sie einnahm. Jeder Privatmann weiß: Das ist der sichere Weg in die Pleite. Bei staatlichen Organisationen nennt man das vornehmer „strukturelles Defizit“, ist aber das Gleiche. Hildegund Kingreen befürchtete bereits vor 17 Jahren, Hagen müsse bald Theater, Schwimmbäder und Jugendzentren schließen. Aber sie sah einen Hoffnungsschimmer – in Düsseldorf war just eine rot-grüne Landesregierung ans Ruder gekommen. Nun würde schlagartig alles besser, waren die Hagener Grünen überzeugt.

Und? Natürlich nicht. Hagen hat zwar tatsächlich gespart. Aber der größte „Ausgabenklotz“ wurde nie richtig „angepackt“ – die Personalausgaben. Diverse Hagener Ämter waren jahrzehntelang deutlich überbesetzt. Aber alle Oberbürgermeister seit 1995 – egal, ob Thieser, Horn oder Demnitz – stemmten sich gegen betriebsbedingte Entlassungen. Die Politiker setzten lieber auf teure Versprechungen statt auf unpopuläre Spar-Vorschläge. So auch die Grünen 1995: Sie forderten in Hagen den Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs, den Ausbau des Radwegenetzes, die finanzielle Förderung von Solaranlagen, den Ausbau von Betreuungsangeboten in Kindergärten, eine höhere Sozialhilfe für Flüchtlinge undsoweiterundsofort.

So geht höhere Politik. Man weiß vom trostlosen finanziellen Schlamassel („Katastrophe“). Und fordert dann umgehend neue Ausgaben.

So wie die Gewerkschaft Verdi. Sie hat just ihre Gehaltsforderungen für den öffentlichen Dienst angemeldet. 6,5 Prozent heißt die Forderung, ein gehöriger Schluck aus der Pulle. Die Stadt Hagen müsste in diesem Jahr zusätzlich über 7 Millionen Euro aufbringen. Woher nehmen? Was passiert, wenn die Hausfrau mit vollem Einkaufswagen und leerem Portemonnaie an der Supermarkt-Kasse steht? Eben. Stadtkämmerer Christoph Gerbersmann spricht von einer „Katastrophe“.

Katastrophe ist übrigens ein griechisches Wort…