Kehrtwende?

In Haspe will man seit einigen Monaten ein Torhaus bauen. Wobei das Wort falsch ist. Es ist eher ein Scharnier- oder Verbindungshaus. Das hört sich aber zu doof an.

Also gut, bleiben wir beim Torhaus. Das geplante Bauwerk soll das alte Zentrum am Kreisel mit dem neuen an der Vollbrinkstraße verbinden. Bis vor wenigen Monaten stand hier – mitten im Weg – der alte Hasper Bunker. Jahrelang waren sich fast alle Hasper Politiker – von CDU bis SPD – einig: „Der Bunker stört.“ Da müsse ein Rathaus oder etwas Ähnliches hin, hieß es.

Ein kurzer Rückblick zeigt, was hier falsch gemacht wurde. Als Ende der 70er Jahre die Hasper Sanierung in die Vollen ging, stand an der Vollbrinkstraße ein großes Klöckner-Verwaltungshaus, das den Hagenern gleichsam geschenkt worden war. Zahlreiche Hasper Politiker – ebenfalls von SPD bis CDU – hätten das Bauwerk gerne erhalten, um es öffentlich nutzen zu können, etwa als Stadtbücherei. Das wäre klug gewesen. Es hätte viel Geld gespart. Und für das gewünschte Warenhaus wäre unmittelbar beim alten Zentrum noch genug Platz gewesen.

Doch angeführt vom Dezernenten Werner Püttmann (CDU) verhinderte das Hagener Rathaus damals den Erhalt des Klöckner-Baus. Er brannte ab und wurde durch das Warenhaus ersetzt. Seitdem gibt es zwei Einkaufspole – den alten im „Kreisel“ und den neuen rund ums Warenhaus. Beide wuchsen nie richtig zusammen. Der Neubau des Torhauses soll Besserung bringen. Es ist geplant, darin gemeinsam Bezirksverwaltungsstelle, Bürgerbüro, Sozialdienst und Stadtbücherei unterzubringen. Damit „richtig Leben in die Bude kommt“ und die Scharnierfunktion erfüllt wird. Bauherr ist die GWG, die Stadt wäre Mieter.

Doch es gibt Streit. Teile der CDU wollen diese Lösung verhindern, drohen mit Klage und möchten stattdessen lieber Räume in einem katholischen Gemeindehaus an der Berliner Straße anmieten. Die sind preiswerter, aber eben auch weit entfernt vom Zentrum. Natürlich könnte die GWG das Torhaus auch ohne städtische Mieter bauen – aber will sie das dann noch? Jedenfalls steht die ganze Angelegenheit urplötzlich auf des Messers Schneide.

Die Bezirksvertretung Haspe soll am morgigen Donnerstag entscheiden und dann am 24. November der Rat der Stadt Hagen. Da darf man gespannt sein, was die CDU-Fraktion macht, schließlich hat sie in der Bezirksvertretung bisher die Torhaus-Pläne gestützt. Aber totale Kehrtwenden sind ja in der CDU neuerdings nichts Neues mehr. Siehe Atomausstieg, Klimaschutz, Euro-Gezackel und Mindestlohn…

Tilo