Tilo: Kein Interesse

Dass Unholde in Büschen lauern und mordend oder vergewaltigend über junge Menschen herfallen, ist leider manchmal grausame Realität – so wie unlängst im Fall der 14-jährigen Susanna in Mainz/Wiesbaden. Ihre Ermordung hat in den vergangenen Tagen bundesweit für Schlagzeilen gesorgt.

Auch wenn Todesfälle wie dieser die Bevölkerung aufwühlen, so ist es doch vielleicht gut zu wissen, dass die Anzahl der weiblichen Mordopfer unter 18 Jahren in den vergangenen Jahren glücklicherweise deutlich zurückgegangen ist – und zwar sogar ganz erheblich im Vergleich etwa zum Jahr 2009.

Ganz anders sieht es beim Kindesmissbrauch aus. Hier kann von einem Rückgang überhaupt nicht die Rede sein.

Die Dunkelziffer ist garantiert beträchtlich, aber schon allein die Anzahl der bekannt gewordenen Fälle ist entsetzlich genug. Dabei sind fast all‘ die Kinder, die sich hinter diesen Zahlen verbergen, Opfer des sogenannten „sozialen Nahbereichs“. Beteiligt sind insbesondere Verwandte oder „gute Freunde der Familie“, wie sich derzeit auch in dem besonders schlimmen Missbrauchsfall in Staufen bei Freiburg offen­bart.

Überforderung, psychische Probleme, Neigung zur Gewalt oder Alkoholismus bei den Eltern gehören zu den größten „Gefahrenquellen“ für unsere Kinder. Hier sind die Fakten:

Die deutsche Polizei hat im Jahr 2017 fast 14.000 Vergewaltigungen und ähnliche Formen sexueller Gewalt gegen Minderjährige erfasst. Das ergibt rund 40 Taten pro Tag. Noch einmal: 40 pro Tag!

Zudem zählten die Beamten über 16.000 Fälle des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischen Materials. Auch hier haben wir es mit Sicherheit nur mit der berühmt-berüchtigten Spitze eines Eisbergs zu tun. Die Besitzer von solchem Material gehören allen Gesellschaftsschichten an – Beamte befinden sich ebenso darunter wie etwa auch Seelsorger. So wird in München derzeit der Fall eines Polizisten behandelt, den die Staatsanwaltschaft beschuldigt, „kinderpornografisches Material“ hergestellt zu haben. Auch Trainer oder Lehrer sind in den vergangenen Jahren aus solchen Gründen suspendiert und teils bereits verurteilt worden – darunter welche im Raum Hagen/Iserlohn.

Ferner wurden 4247 Kinder im Jahr 2017 in Deutschland schwer misshandelt, die meisten von ihnen waren jünger als sechs Jahre alt. 143 Kinder wurden getötet.

Aber Kindesmisshandlungen sind ein Thema, für das sich kaum jemand auf der großen „Polit-Bühne“ und in Talk-Shows inter­essiert. Traurig.

Tilo