Kleinvieh und Mist

Wenn es darum ging, die Bürger auszuquetschen, waren die Finanzminister und Stadtkämmerer schon immer erfinderisch. So gab es früher mancherorts eine Fenstersteuer. Je mehr Fenster ein Haus hatte, desto höher waren die Abgaben. Mit dem Ergebnis, dass viele Neubauten nur noch sehr wenige Fenster hatten – bis diese Steuer abgeschafft wurde.

Auch in Köln wird der Schuss wohl nach hinten losgehen. In der Millionenstadt wurde jetzt eine Bettensteuer eingeführt. Das heißt, jeder, der hier nächtigt – Tourist oder Geschäftsmann -, wird zur Kasse gebeten. Der örtliche Hotelverband rechnet deshalb in Köln erst einmal mit sinkenden Übernachtungszahlen, während sich die Hoteliers im Umland die Hände reiben.

In Hagen waren die Politiker bisher eher zurückhaltend. Natürlich wurden zahlreiche Gebühren angehoben, Eintrittsgelder verteuert und verstärkt Knöllchen verteilt. Aber das brachte nicht viel. Das „dicke Ende“ kommt erst noch. So sollen zum Beispiel die verschiedenen Stadt-Töchter stärker zur Kasse gebeten werden. Etwa Enervie (Mark-E). Das Rathaus erwartet von diesem Unternehmen im nächsten Jahr eine deutlich höhere Gewinnausschüttung. Woher die Mark-E das Geld nimmt? Na, von ihren Kunden! Von uns allen!

Als OB Jörg Dehm im September mit seinen Sparvorschlägen durchs Land zog, bat er auch die Bürger um Vorschläge. Es kam auch ‚was zusammen. Doch der „Stein der Weisen“ war nicht darunter. Einige Vorschläge waren rührend undurchführbar: So wollten manche Einwohner gerne die Museen, das Theater und die Ischelandhalle verhökern. Das ist ungefähr so aussichtsreich, als wenn jemand sein Hühnerauge am dicken Zeh zum Verkauf anbietet.

Apropos Museen. Vielen Hagenern ist nach wie vor das Emil-Schumacher-Museum ein Dorn im Auge. Es gab die – ernst gemeinte? – Idee, hieraus ein Parkhaus zu machen. Bei solchen Vorschlägen wird vergessen, dass die Stadt kaum einen müden Euro für das ESM ausgegeben hat. Das Baugeld kam ganz wesentlich vom Land und von Spendern. Die würden alle ihr Geld zurückfordern. Mit Recht. Wahrscheinlich würde es das teuerste Parkhaus in Europa.

Von ähnlicher „Qualität“ ist der Vorschlag, auf alle Haustiere Steuern zu erheben. Klar, Kleinvieh macht auch Mist. Aber Steuern auf Hamster, Tanzmäuse, Fische im Aquarium und auf Wellensittiche? Da dürfte der bürokratische Aufwand deutlich höher liegen als der Ertrag. Und was sind eigentlich Haustiere? Zählen auch Schwalben unter der Dachrinne dazu? Spatzen im Garten? Igel im Kompost? Mäuse im Keller? Flöhe und Wanzen? Grippe-Viren und Mumps-Bazillen?

Na ja, vielleicht kommt doch noch die Finanzspritze vom Land. Die SPD hat sie versprochen. Wir sind gespannt.

Und wenn nichts kommt? Probieren wir es mit der Methode Irland“ und betteln in Brüssel…

Tilo