Knapp verpasst

Also schrieb die Hagener Zeitung vor 110 Jahren: „Unsere Stadtväter lassen sich in der Kunstfertigkeit, das Geld mit vollen Händen aus dem Fenster zu werfen, nur noch von einer Horde Schimpansen übertreffen, weil diese dabei, statt mit zwei Armen, mit allen Vieren arbeiten können.“

Anderswo ist es ebenso. Man schaue nur auf den unsäglichen Berliner Großflughafen BER. Da kostet allein der Unterhalt für die ruhende Baustelle rund 20 Millionen Euro im Monat. Oder auf die Hamburger Elbphilharmonie. Der Konzertbau sollte ursprünglich mal 80 Millionen kosten. Inzwischen ist die Bausumme auf das Zehnfache geklettert! Oder Stuttgart 21, oder jetzt – ganz neu – eine halbe Milliarde Euro für die Aufklärungsdrohne „Euro Hawk“ in den Sand gesetzt. Im Verteidigungsministerium sitzen 20.000 Leute herum und haben seit der Abschaffung der Wehrpflicht nichts mehr zu tun. Gleichzeitig fehlen bei Erziehung, Bildung, Steuerprüfung tausende Beschäftigte! Umschulung, Umversetzung? Geht nicht! Beamtenrecht!

Undsoweiterundsofort. Das Problem ist nicht neu und wird doppelt ärgerlich, wenn die Grünen nach der Wahl noch höhere Steuern ankündigen. Um noch mehr Geld verschwenden zu können? Eine Verhöhnung der Bürger.

Auch in NRW häufen sich die teuren Bauskandale – zuletzt in einigen Rheinstädten, etwa in Duisburg. Das Statistische Landesamt berichtete am Montag: Die NRW-Gemeinden sitzen auf einem Schuldenberg von 58,1 Milliarden Euro. Das sind rund 3.260 Euro pro NRW-Bürger/in. Die höchste Verschuldung hatte übrigens Oberhausen mit 8.373 Euro je Einwohner. Aber auch Städte wie Hagen mischen ganz vorne mit.

Einige Kommunen – darunter unser Volmestädtchen – stehen deshalb unter ganz besonderer Beobachtung der Regierungspräsidenten. In Hagen musste schon einmal ein gewisser Stefan Bajohr ran, der als sogenannter „Mentor“ den städtischen Haushalt überprüfte. Seine Wirkung war kaum größer, als wenn ein Hund den Mond anbellt.

Seinerzeit glaubten viele Ratsmitglieder, nach diesem „unechten Sparfuchs“ würde bald ein richtiger Sparkommissar folgen. Hagen, so waren viele überzeugt, werde wohl als erste Gemeinde in die NRW-Geschichte eingehen mit einem solchen „Rotstift-Spezialisten“.

Diesen schmachvollen Eintrag ins Geschichtsbuch hat die Volmestadt verpasst. Nideggen war schneller. Die Ratspolitiker der kleinen Stadt nahe Aachen ließen alle Sparvorgaben und auch die flammenden Appelle der örtlichen Bürgermeisterin an sich abprallen. Deshalb kommt ein Regierungsbeauftragter – das ist der offizielle Name des Sparkommissars – und übernimmt das Rathaus von Nideggen. Der Rat kann seine Koffer packen.

Auch Hagen kachelt mit Volldampf in diese Voll-Blamage. Auch wenn eine andere Gemeinde in diesem Peinlichkeits-Wettlauf noch schneller war, der zweite Platz ist immer noch möglich…