Tilo: Lächerlich

„Derzeit bewegt sich dieses Land in Richtung Lächerlichkeit“, hat Harald Leitherer zu Beginn der Woche in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gesagt. Der Mann war lange Zeit einer der profiliertesten bayrischen Kommunalpolitiker. Wegen Seehofer, Söder und Dobrindt ist er jetzt aus der CSU ausgetreten – nach 49-jähriger Mitgliedschaft.
Tilo war jetzt ein Weilchen nicht daheim, sondern in Italien im Urlaub. Von dort sah manches in Deutschland garantiert noch lächerlicher aus als im Heimatland. Auf der Rückreise durfte Tilo dann auch beim Grenzübertritt nach Bayern nahe Kufstein erleben, wie sich die beiden Oberbayern Söder und Seehofer die Zukunft des Schengen-Raumes vorstellen. In Höhe einer Ratsstätte unmittelbar an der Grenze war eine Kontrollstelle eingerichtet, an der lustlose Bundespolizisten, unterstützt von bayrischer Landespolizei, die Autofahrer zum Runterbremsen auf 30 km/h und zum Teil zum Anhalten zwangen, um „Sichtkontrollen“ vornehmen zu können.
Einige Fahrzeuge wurden auch „rausgezogen“ und näher inspiziert, zum Beispiel ein Flixbus und insbesondere Autos vom Balkan. Ironisch könnte man sagen, die Beamten wandten einen gewissen „Grenzkontrollrassismus“ an.
So oder so, wer in den kommenden Ferienwochen bayrische Außengrenzen überqueren muss, sollte zusätzliche Wartezeiten einkalkulieren. Die drohen künftig eventuell auch am Brenner zwischen Österreich und Italien. Am einfachsten ist, man macht als Westfale nur noch Urlaub in Frankreich, Belgien oder in den Niederlanden. Oder man fliegt.
Das Lächerliche an dieser bayrischen Aktion: Als Fußgänger hätte man die Grenze ein Stück neben der Kontrollstelle unbehelligt und unbemerkt queren können. Zumal der Seehoferschen Symbolpolitik zum Trotz eins eh klar ist: Wer ins Land will, kommt ins Land. Schließlich ist unsere Grenze lang und Grenzschützer sind kaum vorhanden. Die kann man auch nicht „mal eben“ finden.
Ach ja, die bundesdeutsche Asylpolitik, sie nimmt dank Seehofer immer verworrenere Züge an. Er hat sich in den vergangenen Wochen vor allem mit dem Ziel aus dem Fenster gelehnt, die sogenannte „Sekundärmigration“ eindämmen zu wollen, in Bayern als „Asyltourismus“ bezeichnet. Hier geht es um Menschen, die bereits anderswo Asyl beantragt haben und nun partout nach Deutschland wollen. Die will Seehofer zurückschicken.
Da wird sich der Bayer aber an einigen Ländern schwer die Zähne ausbeißen – zum Beispiel an Italien. Seehofers dortiger „Bruder im Geiste“, Innenminister Salvini, hat bereits erklärt, dass er nicht einen einzigen von ihnen zurücknehmen werde.
Die Amerikaner lachen sich derweilen eins ins Fäustchen. Haben sie doch mir ihrer unseligen Nahostpolitik die meisten Migranten verursacht, die jetzt immer mehr zum Sprengstoff für Deutschland und die EU werden. Und wir Europäer fallen darauf rein.