Manege frei

Wir hören es allerorten: Die deutschen Jugendlichen sind dick, faul, gefräßig, dumm, respektlos und sitzen nur noch vor dem Computer oder hängen am Handy. Und wenn sie sich doch mal bewegen, geht‘s zu irgendwelchen Komasaufereien. Klar, es gibt solche jungen Leute. Aber diesen „Tumben“ stehen auch ganz andere gegenüber – Kinder und Jugendliche, die sich ehrenamtlich engagieren und Großartiges leisten, etwa in Sportvereinen, bei Pfadfindern, in der Seniorenbetreuung oder im Kulturbereich.

Auch bei Olympia konnte man derartige junge Menschen sehen – Athleten, die sich seit Jahren erfolgreich in Randsportarten tummeln, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit und unbezahlt. Trainiert von Übungsleitern, bei denen eher der Spaß an der Freud im Vordergrund steht und nicht der schnöde Mammon. So mancher dieser Trainer arbeitet zu mickrigsten Stundensätzen. Da müssten dem DGB in Anbetracht seiner Forderungen nach Mindestlöhnen nicht unter 8,50 Euro pro Stunde die Tränen in den Augen stehen. Und dann jammert die Öffentlichkeit darüber, dass die Deutschen „nur“ knapp vier Dutzend Medaillen geholt haben? Oje.

Doch muss man gar nicht bis Olympia fahren, um engagierte junge Leute zu finden – es gibt sie auch an Volme und Ennepe. Beispielsweise alljährlich im von der evangelischen Kirche ins Leben gerufenen Circus Quamboni. Der feierte am Montag auf dem Quambusch seine diesjährige Premiere. 41 Kinder und Jugendliche, angeleitet von gut 20 Trainern und Betreuern (alle ehrenamtlich) unter der Regie von Carsten Reichelt und Antoinette Rogenmoser, haben ein drei(!)stündiges Programm auf die Beine gestellt, das einem schier den Atem stocken lässt.

Die Jung-Artisten – allesamt normale Kinder „von nebenan“ und keine geborenen Akrobaten-Sprösslinge – haben zuletzt eine Woche lang hart trainiert, von morgens früh bis abends spät. Auch am Sonntag. Diese Woche nehmen sie das Publikum mit auf eine Reise durch die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde. Vergnügliche Clowns-Nummern, „Feuer-Akrobatik“ und geradezu halsbrecherische Übungen am Trapez oder am Seil hoch oben unter der Zirkuszeltkuppel – und das alles ohne Netz und doppelten Boden.

Tilo war am Ende sprachlos und zieht voller Begeisterung den Hut.

Wer noch hin will, muss sich sputen – am Samstag stehen die letzten Aufführungen auf dem Spielplan. Schade eigentlich …