Mit Sahne zu Gott

Trotz aller unzweifelhaften Fortschritte in der Kommunikation (Telefon, Fernsehen, Internet) sind unsere Verbindungen zum Himmel schlechter geworden. Es ist chic geworden, nicht an Gott zu glauben. Dementsprechend finster sieht unsere Welt aus. „Fürchte den, der Gott nicht fürchtet“, hieß es früher einmal.

Die Kirchengemeinden versuchen gegenzusteuern, um ihre Schäfchen zu halten. Manche Aktionen sind leicht überdreht. Aber die evangelische Stadtkirchengemeinde – das ist die in der altehrwürdigen Johanniskirche am Hagener Markt – hat sich etwas ganz „Rundes“ ausgedacht. Rund wie eine Torte.

Tilo bekam von Johannis eine Pressemitteilung: „Kaffee und Kuchen in der Kirche – mit einer ungewöhnlichen Veranstaltung beginnt die Stadtkirchengemeinde am Sonntag, 13. Oktober 2013. Ab 16 Uhr sind die Tische gedeckt, Tische bis nach vorne zum Altar. Und alle Besucher sind zu Kaffee und Kuchen eingeladen. ‚Aber bitte mit Sahne‘ heißt der Nachmittag, der in Zukunft monatlich stattfinden wird. Ob arm oder reich, jeder ist eingeladen zum Kuchen, den dieses Mal die Frauen der „Gemeindegruppe After eight“ stiften wollen. Unser Team bewirtet alle, die kommen, bei gepflegter Livemusik am Flügel und freut sich besonders über die, die neugierig sind und das erste Mal in die Johanniskirche kommen,“ sagt Pfarrer Bernd Neuser.

„Alle können sitzen bleiben und weiter ihren Kaffee trinken, wenn um 17 Uhr mit einem Theaterstück und frischer neuer Musik ein Gottesdienst ohne lange Predigt startet. Statt über einen Gemeindebrief lädt die Stadtkirchengemeinde über Postkarten zum Gottesdienst ein. Sie liegen in 25 Kultur- und Gaststätten aus. ,Aber bitte mit Sahne‘ steht darauf und eine junge Frau der Stadtkirchengemeinde hat sich für dieses Motiv eine Sahnetorte ins Gesicht werfen lassen. Ihr lachendes Gesicht ziert nicht nur die vielen Postkarten, sondern es wird bald auch an der Johanniskirche zu finden sein,“ freut sich Pfarrer Bernd Neuser.

Tja, wir leben in modernen Zeiten. Noch ist es ein Witz, noch: Drei Kirchenvorsteher streiten sich, wer von ihnen wohl den progressivsten Pfarrer hätte. Der erste sagt: „Unser Pfarrer veranstaltet während der Fastenzeit Tanzveranstaltungen.“

Der zweite sagt: „Unserer isst am Karfreitag vor versammelter Gemeinde ein Schinkenbrot.“

Der dritte bemerkt: „Unser Pfarrer hängt Weihnachten ein Schild an die Kirchentür: „Wegen der Feiertage geschlossen!“

Tilo hat vor, ach, langen, langen Jahren als zarter Chorknabe in der Johanniskirche mitgesungen. Bei immer voller sonntäglicher Predigt. Nicht wegen, sondern trotz seines Gesangs.

Er wünscht den Johannissen viele Besucher, viel Freude und reichlich Sahne!