Mit Stumpf und Stiel

Im letzten Winter waren die Hagener Straßen und städtischen Gehwege zeitweise miserabel geräumt. Der HEB hat Besserung gelobt. Mit zusätzlichen Fahrzeugen und mehr Salz „auf Lager“ soll der Kampf gegen die Eis- und Schneemassen geführt werden. Klar, das bedeutet auch höhere Gebühren…

Und die Stadt Hagen? Sie kam vor zahlreichen Gebäuden und Grundstücken ihrer Räumpflicht häufig kaum nach. Aber Besserung? Sendepause! Stattdessen haben unsere Politiker die „Satzung über die Straßenreinigung und die Erhebung von Straßenreinigungsgebühren“ geändert. Für uns Bürger wurden die Vorschriften verschärft, na klar.

Bereits letzten Samstag war im wk zu lesen, „dass nach 20 Uhr gefallener Schnee und entstandene Glätte werktags bis 7 Uhr und sonn- und feiertags bis 8 Uhr zu beseitigen sind“. Und weiter: „Im Rahmen der Winterdienstpflicht sind die Gehwege in der vorhandenen Breite beziehungsweise bis zu einer Breite von 1,20 Meter und in den Fußgängerzonen in einer Breite von 1,50 Meter von Schnee und Eis frei zu halten.“

Da sind wir aber gespannt, ob die Stadt selbst zum Beispiel vor den Schulen oder vorm Rathaus ihrer Räum-Pflicht rechtzeitig nachkommt. Aber darauf können wir wahrscheinlich warten, bis wir schwarz werden – so wie bei der Instandhaltung zahlreicher Stadt-Gebäude und -Grundstücke. Hier gilt ja oft das Motto: Je städtischer, desto pfui.

Für uns Bürger hingegen gilt ab sofort: „Gehwege sind mindestens 14-täglich zu reinigen. Insbesondere umfasst die Reinigung, unabhängig vom Verursacher, auch die Beseitigung von Unkraut, wobei die sogenannte Ritzenvegetation nicht vergessen werden darf.“

Ritzenvegetation! Damit sind jene Grashalme gemeint, die manchmal zwischen einzelnen Gehwegplatten das Licht der Welt erblicken. Die müssen wir Bürger also künftig gnadenlos mit Stiel und Stumpf, mit Gift und Flamme ausmerzen – ansonsten droht die dicke Keule der Stadt.

Fegen reicht folglich nicht mehr. Demnächst müssen die Anwohner wohl auch selbst kaputte Gehweg-Platten austauschen, wenn das so weiter geht. Und wenn die Straßenbeleuchtung ausfällt – besorgen Sie sich schon mal eine lange Leiter!

Tilo