Motorschaden?

Heute spricht sie davon, Glück im Unglück gehabt zu haben. Ende gut, alles gut, sozusagen. Sie atmet tief durch. Denn vor wenigen Tagen noch war der Geschäftsfrau aus Hagen überhaupt nicht nach einem Lächeln zumute.

Sie war „gestrandet“. Mehr als 100 Kilometer von Hagen entfernt hatte der Lieferwagen der Unternehmerin schlapp gemacht. Gelbe Engel vom ADAC halfen ihr, den Ford, auf den sie angewiesen ist, zu einem Fachhändler ihres Vertrauens zu schleppen. Dort, davon ging die Frau aus, werde man ihren Wagen schnell wieder flott gekommen.

Der Wunsch sollte nicht in Erfüllung gehen. Die Unternehmerin hatte gar nicht bemerkt, dass irgendjemand im Autohaus unter die Motorhaube ihres Lieferwagens geschaut hatte. Die Diagnose schien auch so schon fest zu stehen. Und sie war niederschmetternd. „Motorschaden“, musste sie sich anhören. 10.000 Euro werde es wohl kosten, ihren Wagen wieder auf die Straße zu bringen. In diesem Fall könne sie sich auch gleich einen neuen Lieferwagen gönnen.

Ein Neuwagen? Die Hagenerin musste schlucken. „Ich hab mich doch erst vor einem Jahr selbstständig gemacht“, sagt sie. Ein neuer Lieferwagen hätte das Budget der noch jungen Unternehmerin gesprengt. Doch sie ließ sich nicht abwimmeln. Sie wollte es genauer wissen. Sie gab der Werkstatt noch ein wenig Zeit. Vielleicht, so ihre Hoffnung, könnte man ihr wenigstens verraten, was genau am Motor kaputt sein sollte.

Telefonisch musste sie schließlich erfahren, dass sie ihren „Wagen begraben“ könne. Statt einer Diagnose schickte ihr der Geschäftsführer des Autohauses ein Angebot für einen neuen Lieferwagen. Samt Finanzierungsangebot.

Die Unternehmerin schwankte. Sie war fast soweit, das Angebot anzunehmen. Schließlich ist sie bei ihrer Arbeit auf einen Lieferwagen angewiesen.

Ihr Lebensgefährte jedoch hinderte sie, den Vertrag zu unterschreiben. Nun wollte er es genauer wissen. Er suchte und fand einen Meisterbetrieb, der den Lieferwagen aus dem Ford-Haus in die eigene Werkstatt schleppte. Wiederum ein paar Stunden später hatte die Hagener Unternehmerin Gewissheit. Der „Motorschaden“ schrumpfte zu einem Defekt an zwei Zuleitungen. Die Rechnung, inklusive intensiver Reinigung des dieselbeschmierten Motors, belief sich auf rund 500 Euro.

Mit Gelächter und Schenkelklopfen hatte man in der Werkstatt auf die Diagnose Motorschaden reagiert.

Die Hagener Unternehmerin grübelt. Wieso hat man beim Fachhändler gar nicht versucht, den Wagen zu reparieren? Wieso wollte man ihr gleich einen neuen Wagen andrehen? Weil sie eine Frau ist? Weil sie vielleicht leicht zu überzeugen ist?

Guter Service sieht jedenfalls anders aus. Den hat sie in der zweiten Werkstatt gefunden. Hier fühlte sie sich weder hilflos, noch ausgeliefert.

Ihr Lieferwagen schnurrt wieder. Und auch sie hat ihr Lächeln wiedergefunden. Ende gut, alles gut, eben.

Tilo