Müffelnder Moralapostel

Zwei „Geld-Aufreger“ schütteln in diesen Tagen die Stadt Hagen. Da ist zum einen der „Fall Schmidt“. Dr. Christian Schmidt, 1. Beigeordneter und somit Stellvertreter des Oberbürgermeisters, hat offenbar aus einer Beratertätigkeit für die Hagen-Agentur mehr Geld empfangen, als er hätte kassieren dürfen. Pikant: OB Dehm hat die Zahlung persönlich genehmigt. Jetzt müssen beide einige unangenehme Fragen beantworten – beim Staatsanwalt.

Das andere Ärgernis ist das Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes. Alle Jahre wieder prangern die selbst ernannten Beamten-Aufpasser haarsträubende Fälle von Steuerverschwendung an. Im frisch vorgelegten Buch kriegt Hagen gleich dreimal sein Fett weg. Erstens wird die völlig überflüssige Errichtung eines Zauns am Theodor-Heuß-Gymnasium kritisiert. (Der Zaun wurde wieder abgebaut und fand glücklicherweise eine neue Verwendung am Tierheim). Zweitens hat der Verein ein weiteres Mal – wie schon im Vorjahr – die viel zu hohen Betriebskosten am und im Emil-Schumacher-Museum bemängelt. Und drittens bekommt der ehemalige Hagewe-Geschäftsführer Harald Kaerger reichlich Prügel. Er ließ sich seinen Wechsel in den Ruhestand mit einer teuren Abschiedsfeier (über 30.000 Euro) versüßen. Inzwischen hat er allerdings die Hälfte selbst bezahlt. Immer noch genug Qualm, gewiss, aber weniger Rauch als im Schwarzbuch erschnuppert.

Leider ist der „Bund der Steuerzahler“ beim eigenen Geschäftsgebaren auch nicht ohne Fehl. Jungunternehmer Johann bekommt immer noch einen Adrenalin-Stoß, wenn er nur den Namen hört. Vor ein paar Monaten wollten irgendwelche Telefonwerber den jungen Firmengründer unbedingt zur Mitgliedschaft überreden. Erst freundlich, dann immer massiver und unverschämter. Zuletzt schaltete Johann die Aufsichtbehörde – die Bundesnetzagentur – ein und bat darum, den Telefonterror abzuschalten. Erst danach war Ruhe im Hörer.

Wer als sauberer Moralapostel auftritt, sollte nicht selber müffeln.