Nicht ärgern, nur wundern

Samstag. Nils ist gerade aus dem Bett gekrochen und setzt den Kaffee auf. Es klingelt an der Tür. Dort steht ein gelber Paketbote und hält ihm einen großen Karton entgegen: „Für Herrn A., aber der Name steht auf keiner Klingel.“ Nils’ schlaftrunkene graue Zellen rattern. Sind das die neuen Nachbarn? Bestimmt haben die das Klingelschild noch nicht ausgetauscht. Also schnell unterschrieben und zurück zum durchgelaufenen Kaffee.

Wenig später schaut Nils‘ Frau auf das Paket im Flur. „Einen A. gibt es hier doch gar nicht, die neuen Nachbarn heißen B.! Außerdem steht doch auf dem Lieferschein neben dem Etikett eine ganz andere Adresse in einem anderen Stadtteil!“ Oha. Also schnell den heißen Draht des Paketriesen angewählt.

Nach einigen Minuten Warteschleifenmusik, wie sie wohl auch in den Zellen auf Guantanamo läuft, kommt die so ernüchternd wie patzig vorgebrachte Auskunft: „Sie haben unterschrieben, die Verantwortung liegt bei Ihnen. Entweder Sie behalten das Paket, vielleicht meldet sich ja niemand. Oder Sie befördern es auf eigene Kosten an die richtige Adresse.“

Montag. Nils will gerade ins Büro aufbrechen, als es an der Tür klingelt. Wieder steht dort ein gelber Paketbote, diesmal mit einem Paket für ihn. Diesem Fahrer das Problem vom Wochenende geschildert und … „Kein Problem, nehme ich wieder mit“, hält sein Lesegerät dran und zieht von dannen. Geht doch!

Mittwoch. Laut Sendungsverfolgung im Internet wurde das Paket zwar nicht richtig zugestellt, ist aber längst wieder beim Versender in Niedersachsen eingetroffen. Im Postkasten findet Nils einen Brief von DHL: „Danke für Ihre Beschwerde. Die Sendung wurde am Samstag an Ihre Adresse erfolgreich zugestellt.“

In solchen Fällen denkt Nils an seinen Wirtschaftsprofessor an der Uni. Er sagte immer: „Bei der Organisation der großen Ex-Staatskonzerne sollten wir uns nicht ärgern, wenn etwas nicht klappt. Wir sollten stattdessen zutiefst verwundert sein, wenn überhaupt irgendwas funktioniert.“