Nicht nass machen!

Im Hagener Norden – unweit des Hengsteysee-Südufers – gab es vor langer Zeit einen Rangierbahnhof. Lang ist‘s her. Aber die riesige Brachfläche gibt es noch. Nach dem Jahrhundertsturm Kyrill durfte dort Holz gelagert werden. Jetzt ist alles wieder leer. Nun soll dort wieder ein Bahnhof hin, für ein neuartiges Lkw-Bahntransportsystem – Cargo-Beamer genannt. Wir sind wieder da, wo wir schon mal waren.

Aber die Cargobeamer haben kräftigen Gegenwind. Im Dunstkreis der alten Rangierfläche wohnt zwar niemand, aber in Bathey hat sich dennoch Widerstand formiert. Viele Bürger im Hagener Norden befürchten Dreck und Lärm und eine Beeinträchtigung des Naherholungsgebiets rund um den See. Wohl gemerkt, wir sprechen von einer Fläche, die Ewigkeiten lang als Rangierbahnhof genutzt worden ist, weit von den Wohngebieten entfernt.

Die Stadt Hagen möchte die Planungsphase einleiten. Aber die Bezirksvertretung Nord, angeführt von „Provinzfürst“ Dieter Kohaupt (CDU), mauert. Als Verhinderer können die BV-Nord-Politiker schon bald ein zweites Mal in Aktion treten: Der Stromtransporteur Amprion will in Garenfeld ein neues Umspannwerk bauen. Rund 50 Millionen Euro soll das „Ding“ kosten. Laut Amprion ist die Anlage dringend notwendig – weil der Strom aus den Windparks des Nordens irgendwie auch zum Verbraucher kommen muss. Schließlich waren wir Deutschen uns nach der Atomkatastrophe von Fukushima einig, die alternative Energiegewinnung auszubauen.

Doch auch hier gilt: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass.“ Atom-Strom und Kohle-Strom? Nö. Aber wenn das dann Konsequenzen vor der eigenen Haustür hat, gehen wir gerne auf die Barrikaden. Zahlreiche Garenfelder wollen sich gegen die Errichtung zur Wehr setzen. Ob der angepeilte Baubeginn im nächsten Jahr gehalten wird?

In Peking wurde 2008 ein gigantischer neuer Flughafen-Terminal eröffnet, das größte Gebäude der Welt. Weniger als vier Jahre haben Planung und Bau gedauert. Kaum fertig, ist er schon wieder zu klein. Binnen sieben Jahren baut man jetzt südlich der Hauptstadt den international größten Flughafen.

Und wir in Deutschland? Sieben Jahre dauert schon die peinliche Pleiteserie beim deutlich kleineren Flughafen Berlin-Brandenburg BER, wo jahrelang die hoffnungslos überforderten Ministerpräsidenten Wowereit und Platzeck murksen durften. Wir kriegen offenbar nicht mal mehr einen mickrigen Cargo-Beamer auf einer alten Brachfläche hin.

Armes Deutschland, armes Hagen…