Per Drohne

In Hagen liegt die Arbeitslosenquote immer noch auf eher hohem Niveau – bei knapp zehn Prozent. Auch in anderen Gegenden des Ruhrgebiets sieht die jüngst veröffentlichte Zahl nicht viel besser aus. Für den gesamten Ruhrpott gilt aktuell eine Quote von 9,7 Prozent. Das ist zwar fast ein Prozentpünktchen niedriger als vor einem Jahr, aber im Vergleich der westdeutschen Bundesländer viel zu hoch. Anderswo – vor allem im Süden der Republik herrscht weitgehend Vollbeschäftigung. Da kann man neidisch sein.

Ein Riesenproblem in unseren Breitengraden ist die recht hohe Zahl derer, die seit „ewigen Zeiten“ ohne Arbeit sind: In Hagen zählt ungefähr jeder zweite dazu. Und wahrscheinlich ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen insgeheim noch etwas größer – doch einige sind in irgendwelchen „Maßnahmen“ geparkt und tauchen deshalb in den Statistiken zwischenzeitlich unter.

Carsten gehört dazu. Der 50-Jährige wurde kürzlich dazu verdonnert, in einem Bildungszentrum zu lernen, Bewerbungen zu schreiben. Aber dass Carsten einen Job findet, na, das ist ziemlich unwahrscheinlich. Wegen „Aua-aua-Rücken“.

Auch Leute wie Willi sind kaum zu vermitteln. Der Mann trinkt einfach viel zu viel. Und wenn er dann ordentlich „einen gepichelt“ hat, tritt und beleidigt er auch schon mal gerne Mitarbeiter von Rettungsdiensten, so wie am vergangenen Mittwochmittag in Essen. Gegen den polizeibekannten Mann leitete die Bundespolizei ein Strafverfahren wegen Beleidigung, Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Hilfeleistende (§ 115 StGB) ein. Welche Firma sollte ihn einstellen wollen?

Schade, dass die Carstens und Willis dieser Welt kaum integrierbar sind. Schließlich suchen zahllose Arbeitgeber händeringend nach Leuten. In den vergangenen Tagen beklagten sich nicht nur Behörden, Lehrerorganisationen und Metallfirmen über fehlende Kräfte, sondern auch noch Kindergartenbetreiber, Pflegedienste, Fuhr- und Busunternehmen.

103.000 Busfahrerinnen und -fahrer gibt es momentan in Deutschland – das sind eindeutig zu wenige. Obendrein werden in den kommenden Jahren noch viele ausscheiden. Aus Altersgründen. Und dann? Vielleicht sind ja rechtzeitig die ersten fahrerlosen Busse funktionstüchtig. Oder wir kaufen uns alle Drohnen und schwingen uns an Propellern durch die Straßen. Könnte doch eine reizvolle Alternative sein.

Tilo