Postwendend

Die Älteren unter Tilos Leserinnen und Lesern können sich noch gut erinnern: Unsere Postboten waren früher „ordentliche Beamte“, die ihre Arbeit nicht immer schnell, dafür aber stets nach dem Buchstaben des Gesetzes erledigt haben. Dieser Job war damals attraktiv, denn ein Beamter ist bekanntlich nicht nur unkündbar, sondern verfügt auch über eine „Pensionsberechtigung“.

Dann kam die durchaus sinnvolle Privatisierung und die verbeamteten „Christels von der Post“ wurden peu à peu ausrangiert. Aber der Wandel beim „gelben Riesen“ betraf bald noch andere Dinge. Briefe zu verschicken ist relativ teuer. Wie unendlich viel preiswerter ist es da, „mal eben“ eine Mail- oder eine Whattsapp-Nachricht in die Welt hinauszuposaunen.

Die Deutsche Post hat also erstens einen erheblichen Kostendruck und zum anderen auch das Problem, dass immer weniger Menschen als Postboten durch Deutschland laufen möchten, denn – bitte nicht vergessen – man ist bei Wind und Wetter unterwegs. Und das macht ohne Aussicht auf eine Pension weniger Spaß.

Momentan sucht die Post rund 1500 junge Leute, aus denen sie gern Zusteller machen würde. Normalerweise haben wir es mit einem Ausbildungsberuf zu tun – mit einer monatlichen Postboten-Bezahlung in Höhe von 820 Euro im ersten Lehrjahr. Nun hat sich die Post schlau überlegt, dass man vielleicht rascher Zusteller bekommt, wenn man die Lehre teilweise streicht und stattdessen fix einen Schwung angelernter Kräfte auf die Piste schickt – mit 2172 Euro als Einstiegsgehalt.

Ob das die Qualität verbessert? Das jedenfalls fragt sich nicht nur Tilos Leserin K. aus dem westlichen Wehringhausen. Seit Monaten beobachtet sie, dass sie nur unzuverlässig beliefert wird. Wenn am Samstag irgendwelche Werbebroschüren auf der Strecke bleiben, ist das leicht verschmerzbar. Blöd ist indes, dass oft auch Wichtiges bei ihr nicht ankommt, berichtet sie – etwa Bank- oder Autounterlagen. Unlängst hatte sie sogar das Ordnungs­amt „zu Gast“, weil sie im Verdacht stand, „unbekannt verzogen“ zu sein. Denn behördliche Briefe waren an das Amt zurückgegangen – „nicht zustellbar“.

Die Wehringhauserin hat sich unlängst in der Bonner Zentrale des „Gelben Riesen“ beschwert – mit Erfolg: Es erreichte sie postwendend ein Brief, in dem zu lesen ist, dass man „sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt“. Womit die Post kurzerhand bewiesen hat, dass die Zustellung gar nicht so schlecht ist, wie Frau K. meint. Clever.

Tilo