Regenzauber

Es hat geregnet! Ein bisschen. Nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Und ab Vatertag wird es – sagen die Wetterfrösche – wieder richtig heiß. Es ist der sonnigste Frühling seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1893.

Langsam brauchen wir richtigen Regen, mindestens drei Tage am Stück! Das wissen alle Gärtner, alle Landwirte, alle Vögel, die für ihre Brut keine Schnecken finden, und alle Fische, die in den Flüssen bald auf dem Trockenen liegen.

Weizen, Erdbeeren, Kartoffeln & Co wachsen nämlich nicht von alleine ohne feuchte Erde im Supermarktregal.

Wo bleibt der Dauerregen, der satte Landregen, wo der Schauer, wo die Pfützen, wo der Matsch?

Tilo wird‘s mulmig. Wenn das so weitergeht? Wie viel Wasser zieht so ein ausgewachsener Baum wohl täglich aus der Erde? Was braucht der so?

Wie lange dauert‘s, bis unser grünes Westfalen oder unser Sauerland entbaumt ist, verödet, verdorrt, versteppt?

Was tun? Gibt es keine Beschwörungen, keinen Spruch, keinen Regenzauber irgendeiner Art?

Tilo sucht – und findet: Forschern gelang es, mit einem Laser in feuchter Luft Wassertropfen zu erzeugen. Laser draufhalten – und schon tröpfelt es aus der Wolke. Sogar Hagelschläge lassen sich so verhindern. – Nutzt nur nix, wenn die Wolken fehlen.

Die alten Römer kannten Regenzauber: „Aquaelicium“ – „Wasserlocken“ auf gut germanisch. Sie zerrten unter Anrufung ihres Hauptgottes Jupiter einen dicken Stein vom Haupt-Tempel aus um die Stadt. Dazu wurde geweihtes Wasser für die Götter verschüttet, mit der Bitte um Regen als Gegenleistung.

Man kann sich auch Regenmacher basteln – mit Papprollen, Reis und Nägeln. Sieht hübsch aus, macht Spaß und hört sich an wie echter Regen. – Nur nass machen sie leider nicht.

Im Internet gibt es Regenzauber zu kaufen. Aber ach: Es handelt es nur um „Extras“ für Computer-Spiele. Da hätte Tilo dann die Auswahl zwischen „Höllischem Regen“, der betäubt und unbegrenzt reicht, oder „Heilendem Regen“, der leider nur 100 Meter weit reicht, aber Gesundheit bringt.

Die kleine Hexe aus Preußlers Kinderbuch versucht es mit Zaubersprüchen: „Wolke, Wolke, eins zwei drei, dunkle Wolke, komm herbei. Öffne weit dein Wolkenfass und mach uns‘re Erde richtig nass!“ – Aber selbst sie hat es nicht geschafft, hat sich irgendwie verhext.

Vielleicht hilft es ja jetzt, dass Kachelmann freigesprochen ist. Sonst bleibt nur ein frommer Wunsch: Einen schönen verpladderten Juni!

Tilo