Schall und Rauch

Namen sind Schall und Rauch? Im Prinzip schon. So ist es Tilo völlig wurscht, ob der Mensch hinter dem Tresen seiner Lieblings-Döner-Bude etwa Müller, Öztürk oder Sarrazin heißt. Hauptsache, das Fleisch ist in Ordnung und der Osmanen-Burger schmeckt.

Nee, es geht hier nicht schon wieder um die aufgeregte Sarrazin-Diskussion der letzten Tage. Thema sind wirklich „nur“ Namen. Genauer: Namen und Bewerbungen. Schließlich haben jetzt mehrere große deutsche Firmen auf Initiative der ADS (Antidiskriminierungsstelle des Bundes) den Versuch gestartet, anonymisierte Bewerbungen zuzulassen. Wer sich also künftig beispielsweise bei der Telekom bewirbt, braucht seinen Namen, sein Geschlecht und sein Alter nicht mehr anzugeben. Auch ein Foto ist überflüssig. Die ADS glaubt, dass auf diese Weise weniger Vorurteile in die Bewerber-Auswahl einfließen. Frage nur: Was passiert, wenn der/die Bewerber(in) schreibt, er/sie habe 1980 Abitur gemacht. Oder er/sie habe drei erwachsene Kinder? Ist es dann ein Fortschritt, wenn das Alter in der Bewerbung weggelassen werden kann? Oder Quatsch?

Namensdiskriminierungsforscher – auch diese spaßige Wissenschaft hat ein Nischen-Plätzchen in unserem Land – glauben, der (Vor-)Name ist mitentscheidet bei der Karriere. Das fängt angeblich schon in der Schule an. Ein deutsches Mädchen mit dem schönen französischen Namen Jacqueline bekäme von vornherein schlechtere Schulnoten. Denn viele Lehrer würden messerscharf daraus schließen, Jacqueline könne eh nichts. Weil ihr Name auf eine Herkunft aus der Unterschicht hindeute. Ähnlich verhalte es sich bei neueren ausländischen Vornamen wie Celina oder Justin.

Eltern jedoch, die ihr Kind auf alte hebräische, lateinische, griechische oder gar germanische Namen taufen – wie Paula, Rafael oder Freya -, bräuchten sich keine ernsthaften Sorgen zu machen. Diese Kinder hätten durchweg bessere Bildungsabschlüsse.

Tilo bezweifelt, ob Lehrer wirklich so dusselig sind – und Personalchefs werden von der ADS wahrscheinlich für genauso bräsig gehalten wie die Pauker. Deshalb jetzt der Versuch mit den anonymisierten Bewerbungen.

Ein Schmarrn. Das Problem bei Bewerbungen liegt häufig weit abseits vom Namen oder vom Geschlecht. Gewiss, es gibt Ausnahmen. Wenn jemand Küster bei der Kirche werden will, dann ist der Nachname „Teufel“ sicherlich nicht förderlich. Ein Haarföhn-Verkäufer mit Glatze hat beim Verkauf ein Problem und Herr Magerkohl als Chefkoch in einem 5-Sterne-Restaurant, na ja.

Aber der Alltag sieht anders aus. Bei der letzten Stellenausschreibung beim wochenkurier ging allein ein Drittel an Schreiben ein, die offenkundig völlig lustlos verfasst worden waren. Die sahen alle nach Alibi-Bewerbungen aus – wahrscheinlich, weil die Arge oder die Arbeitsagentur befriedigt werden mussten. Das zweite Drittel umfasste eindeutig Bewerber, die nicht qualifiziert genug waren. Beispielsweise müssen schreibende Mitarbeiter in einem Verlag über sehr gute Rechtschreibkenntnisse verfügen. Oda wolen sie einen Tekst voler Feler lesn? Das übriggebliebene Drittel jedenfalls wurde zum Gespräch eingeladen.

Und spätestens jetzt, wenn die Bewerber vor dem Personalchef sitzen, trennt sich eh die Spreu vom Weizen. Dann ist es wie beim Döner: Es ist wurscht, ob jemand Müller, Sarrazin oder Öztürk heißt – Hauptsache, die Qualifikation stimmt und man kann sich riechen…

Tilo