Scheinheilig

Was bekommt ein Weltstar wie Tom Hanks dafür, wenn er sich ein gutes Stündchen lang bei „Wetten, dass…“ zum Affen machen lässt? Vermutlich einen ansehnlichen fünfstelligen Betrag.

Als Thomas Gottschalk die Sendung noch moderierte, durfte er sich pro Termin über 100.000 Euro freuen. Geld, das ihm ein öffentlich-rechtlicher Sender in den bunten Gummibärchen-Rachen warf.

Tilo neidet Gottschalk (oder nunmehr Markus Lanz) das Geld wirklich nicht. Er möchte aber eines zart in Erinnerung rufen: Ein öffentlich-rechtlicher Sender finanziert sich über unser aller Zwangsgebühren (was einer Steuer gleichkommt) und wirft dennoch fröhlich mit dem Geld um sich. Und wenn Tom Hanks ganz nebenbei für seinen neuen Film die allerschönste Schleichwerbung machen darf, muss man sich fragen, ob der Mann für seinen Auftritt – anstatt zu kassieren – besser Geld mitgebracht hätte.

Ähnliche Gedanken kamen Tilo neulich bei einer längeren Autofahrt. Der öffentlich-rechtliche Sender im Radio sülzte unentwegt über den neuen James-Bond-Film. Man konnte meinen, der Untergang des Abendlandes steht bevor, wenn wir nicht alle diesen aufgeblasenen Krawall-Film gucken. Frage: Was bekommen Moderatoren und Sender für diese massive Schleichwerbung? Nichts? Alles in bester Ordnung?

Würde es irgendeinen von uns kratzen, wenn der „Stammler von Köln“ – Lucas Podolski – für eine Autogrammstunde in einem Möbelmarkt ein paar tausend Euro kassierte? Oder Schweinsteiger? Oder Ribéry? Oder der Schweizer Noch-Rundendreher Michael Schumacher?

Macht sich hingegen ein alter und lange Zeit schon fast im Ruhestand befindlicher Polit-Star wie Peer Steinbrück bei irgendeiner Bank-Veranstaltung oder munteren Talk-Runde zum Affen und kassiert dafür ein paar tausend Euro Schmerzensgeld, jaulen wir auf. Motto: Das ist ja ein Politiker – der darf doch nicht nehmen, was ihm irgendwelche Banker oder Stadtwerke-Fuzzys anbieten (wobei Steinbrück in den letzten Monaten – abgesehen von seinem Bundestagsmandat in einer Oppositionspartei – überhaupt kein öffentliches Amt innehatte). Das ist dann pfui, igitt und bäh!

Diese heilige Empörung rund um Steinbrücks Rede-Honorare – Mannomann, ist so was von abgrundtief scheinheilig…