Schilder-Wald

Bei manchen Vorschlägen ist zunächst unklar, ob sie völlig spinnert sind oder total genial.

Eine solche Idee kommt von der Hagener Feuerwehr, in Zusammenarbeit mit dem Forstamt. Gibt der Finanzausschuss am morgigen Donnenstag grünes Licht, werden demnächst in den Hagener Wäldern rund 250 kleine Schilder aufgehängt. Immer an den Wanderwegen entlang und im Abstand von etwa einem Kilometer. Diese neuen „Rettungspunkte im Hagener Stadtgebiet“ sollen die Ratsmitglieder durchwinken. Die Schilder sollen eine einfache und schnelle Zuordnung des Standortes von Personen ermöglichen.

Die Idee, die dahinter steckt: Wer im Wald unterwegs ist, weiß nicht immer genau, wo er sich befindet. Wenn dann aber ein Not- oder Kriminalfall eintritt und man dringend Rettungskräfte braucht, kann man zwar per Handy sagen, dass man irgendwo im Wald steckt, aber wo genau? Eine Handy-Ortung dauert und bringt oft nicht die gewünschten Ergebnisse. Und just an dieser Stelle setzen Forstamt und Feuerwehr an.

Also: Wer plötzlich im tiefen, tiefen Forst schlapp macht oder den Räuber Hotzenplotz trifft, braucht nur auf eines der kleinen Schilder zu gucken, das Handy zu zücken, 112 anzurufen und muss dann die kurze Buchstaben-Zahlen-Kombination auf dem Schild ins Mikro röcheln. Zum Beispiel „Q-7-12“. Und – zack – weiß die Feuerwehr-Leitstelle sofort: Aha, unter der dicken Tanne unweit der Weggabelung „xyz“ gibt es einen Notfall. Und schwuppdiwupp sind die Retter da.

Die 250 Schilder kosten 5000 Euro und sollen stadtsäckel-schonend über Sponsoren finanziert werden.

Feuerwehr und Forstamt sind von ihrer Idee begeistert: „Dieses innovative Projekt stellt einen Image-Gewinn der waldreichsten Großstadt von NRW dar und erhöht die Sicherheit der Hagener Bürger und Besucher.“

Früher rühmte sich Hagen, die sicherste Großstadt in NRW zu sein, weil hier die wenigsten Verbrechen geschahen und die klügsten Polizisten arbeiteten. Da waren Waldschildchen nicht nötig.

Die Zeiten ändern sich. Tilo lässt das Lästern sein (für heute) und sagt: sehr vernünftig, diese Idee. Und drückt die Daumen, dass die Politiker grünes Licht geben.

Tilo, 19. Mai 2010