Schluss mit Aschenputtel

Die Vernunft hat gesiegt in Haspe. Die dortige Bezirksvertretung hat sich in ihrer letzten Sitzung – auch mit den Stimmen der CDU-Politiker – für eine Anmietung des neuen Torhauses ausgesprochen.

Zur Erinnerung: Das geplante Bauwerk soll das alte Zentrum am Kreisel mit dem neuen an der Vollbrinkstraße verbinden. Bis vor wenigen Monaten stand hier – mitten im Ortskern – der Hasper Bunker. Jahrelang waren sich fast alle Hasper Politiker – von CDU bis SPD – einig: „Wir sollten den hässlichen Weltkrieg-Klotz schleunigst zerbretzeln.“ Zumal bereits einige ehrenamtliche Denkmalschützer in den Startlöchern standen.

Da traf es sich gut, dass der alte Trumm mittlerweile auch der GWG, also der Gemeinnützigen Wohnstättengenossenschaft, lästig wurde. Gutachter bezeugten, dass Hitlers Hinterlassenschaft quer lag zu allen Plänen, das neue Zentrum rund um den Hüttenplatz sinnvoll weiterzuentwickeln. Das sagte auch vorher schon der gesunde Menschenverstand. Aber wenn es ein Gutachter sagt, hört es sich natürlich schlauer an. Egal.

Zudem sind die Hasper „Filialen“ der Stadt Hagen mehr schlecht als recht untergebracht. Die Bezirksverwaltungsstelle „sitzt“ im ollen, mürben Amtshaus an der Preußerstraße, weit ab vom „Schuss“. Für dieses Gebäude gibt es jedoch einen Kauf-Interessenten, so dass die Stadt Hagen ihre 1870er-Jahre-Immobilie bestens loswerden kann.

Alles in Butter, sollte man meinen. Doch dann machte plötzlich eine Katholiken-CDU-Immobilien-Kungelrunde Front gegen die Pläne und bot stattdessen das alte katholische Gemeindehaus an der Berliner Straße an – mit dem tollen Argument, hier sei die Miete deutlich niedriger als im neuen Torhaus. Notwendige Renovierungen, höhere Heizkosten etc. wurden elegant ausgeklammert. Zudem wäre der Bau genauso weit „vom Schuss“ wie das einstige Amtshaus und damit wenig hilfreich gewesen, die Hasper City endlich von ihrer Aschenputtel-Anmutung zu befreien.

Dies haben die CDU-Bezirksvertreter wohl eingesehen. Jedenfalls haben sie den Kunglern die kalte Schulter gezeigt und – nach finanziellen GWG-Zugeständnissen – zusammen mit allen anderen Parteien dem neuen Torhaus ihren Segen gegeben. Die katholische Kirchengemeinde hatte allerdings ihr Angebot zwischenzeitlich auch zurückgezogen.

Sei‘s drum. Jedenfalls ist der BV-Beschluss ein schönes Weihnachtsgeschenk für Haspe und ein schöner Beweis dafür, dass in Hagen ab und zu die Vernunft eine Chance hat…

Tilo