Schraube locker?

Morgens um 7.03 Uhr in der Buslinie 510: Die 15-jährige Schülerin Denise ist klein, zart und schüchtern. Sie reagiert verängstigt, als ihr Schokoticket vom neuen Lesegerät nicht erkannt wird. Die Busfahrerin schimpft: „So ein Mist am frühen Morgen!“

Dann grummelt sie etwas von nicht mehr gültig, notiert die Ticketnummer und nimmt die Fahrkarte an sich. Das Mädchen muss 2,30 Euro für die Fahrt bezahlen, um zur Schule zu kommen.

Ihr Ticket könne Denise nach der Überprüfung abends mit einem Elternteil im Kundenzentrum abholen, basta.

Die junge Dame fühlt sich wie eine kleine Verbrecherin. Das geforderte Fahrgeld war eigentlich fürs Frühstück bestimmt. Und das Geld für die Heimfahrt muss sich Denise von Mitschülern borgen.

Abends sitzt sie mit ihrem Vater im Kundenzentrum der Straßenbahn. Sie denken, gleich werde die Sache mit einer netten Entschuldigung bereinigt.

Pustekuchen. Es kommt schlimmer: Im Kasernen-Ton wirft man dem ratlosen Mädchen üblen Missbrauch vor. Es sei gar nicht ihre Fahrkarte! Adresse und Geburtsdatum seien komplett falsch, heißt es. Das Ticket bleibe eingezogen. Der Fall werde geprüft.

Denise kämpft mit den Tränen. Auch der Vater ist entsetzt. Er weiß genau: das Ticket gehört seiner Tochter und war bisher auch immer lesbar. Den Beiden fällt nichts mehr ein zur Verteidigung.

Dann stellt sich heraus: eine Namensvetterin von Denise hat ebenfalls ein Schokoticket. Und natürlich hat diese Namensvetterin eine andere Adresse und ein anderes Geburtsdatum…

Fall geklärt?

Mitnichten. Die Straßenbahnleute wollen weiter prüfen. Sie solle in zwei Tagen wieder kommen.

Denise darf das Datendurcheinander der Straßenbahn ausbaden. Oder besser: sie wird bestraft für die ahnungslose Benutzung eines unbrauchbaren oder kaputten Fahrkarten-Lesers.

Die Schülerin kauft für 8 Euro ein Viererticket, damit sie in den nächsten Tagen zur Schule kommt.

Als die junge Dame beim nächsten Mal ihr – verdammt noch mal: GÜLTIGES – Schokoticket wieder in Empfang nehmen will, ist ihr Leidensweg noch lange nicht vorbei. Die Sache sei nicht zu klären. Sie müsse ein neues Schokoticket erwerben, teilt man ihr mit. Dieses Angebot sei sehr großzügig, wird dem Mädchen versichert. Der Betrag ist nicht sofort fällig. Sie könne mit dem neuen Ticket zusammen, also doppelt (!!), bezahlen.

Das ist frech, das ist dreist, das ist ja wohl das Hinterallerletzte. Hallo, gibt es jemanden in den höheren Etagen der Hagener Straßenbahn, der diesen Irrsinn noch umbiegen kann auf den Pfad der Vernunft und Gerechtigkeit und Wiedergutmachung?

Tilo