Schwarzarbeit

Mitten im Hasper Kreisel streikt am letzten Sonntag plötzlich das Auto von Sybille K. Mit letzter Kraft rumpelt ihr Pkw auf einen Parkplatz in der Tillmannsstraße. Dann gibt der Wagen endgültig seinen Geist auf. Über das Handy wird der Ehemann informiert. Er soll helfen, das Auto wieder in Gang zu setzen. Am Bahnhof Heubing will Sybille K. an der Bushaltestelle auf ihn warten.

Mit dem Zweitschlüssel in der Hand und der achtjährigen Tochter an der Hand macht sich der Ehemann – ein gebürtiger Schwarzafrikaner – auf den Weg zum Pannen-Ort. Sybille K. rechnet damit, dass ihre Familie mit dem Bus oder der S-Bahn anreist. Doch die Beiden machen sich bei schönstem Sommerwetter zu Fuß auf den Weg nach Haspe.

An der Tillmannsstraße angekommen, erblickt der Ehemann seinen Pkw auf dem Parkplatz. Er geht hin, öffnet ihn mit dem Zweitschlüssel und entdeckt sehr schnell, dass kein Tropfen Benzin mehr im Tank ist. Dann eilt er mit der Tochter schnurstracks seiner Frau entgegen, die an der Bushaltestelle wartet.

Sybille K. bemerkt, dass Mann und Tochter von einem Polizeiwagen verfolgt werden. Wenige Meter vor ihr schneiden die Polizeibeamten dem Farbigen den Weg ab, springen aus dem Auto, schmeißen den völlig verdutzen Mann gegen den Wagen, verpassen ihm Handschellen und durchsuchen ihn.

„Das ist mein Mann“, ruft Sybille K., „was machen Sie da?“

Sie erfährt, dass eine jüngere Frau der Polizei mitgeteilt hatte, dass ein Schwarzer auf dem Parkplatz dabei sei, Autos aufzuknacken. Klar, dass dieser Anruf die Polizei aktiv werden ließ. Das ist ja auch richtig und gut so.

Trotzdem muss sich die Behörde fragen lassen, warum der Mann überhaupt verhaftet wurde. Schließlich hatte er lediglich seinen Wagen mit seinem eigenen Schlüssel geöffnet und dann mit der Tochter den Parkplatz sofort wieder verlassen. Sprich: man hätte das Missverständnis garantiert auch ohne Wild-West-Aktion aufklären können.

Lag es daran, dass der „Verdächtige“ ein Farbiger war?

Schwarzarbeit, sozusagen?

Tilo