Schwer ins Ohr

Zugegeben, der Witz hat einen Bart. Aber man kann immer wieder darüber lachen. Die frei erfundene Geschichte handelt davon, dass man sich „Auf Schalke“ eines Tages überlegte, das neue Stadion, die Arena, nach einer Frau zu benennen. Der Vorstand habe dann auch einen typischen königsblauen Namen gefunden: „Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion“.

Wir wissen, es ist nicht so gekommen. Statt für „Ernst Kuzorra seine Frau“ wirbt die Arena nun für einen Gerstensaft aus dem Sauerland. Aber nur solange, bis irgendjemand mehr bietet.

Denn auch die Halbwertzeiten der Stadionbezeichnungen unterliegen mittlerweile der Schnelllebigkeit des Millionengeschäfts. Blicken wir nach Hamburg: Da kickten die Nachfolger von Uwe Seeler über Generationen im Volksparkstadion, doch nach der Jahrtausendwende ging‘s Schlag auf Schlag: Ab 2001 hieß die Spielstätte AOL Arena, ab 2007 dann HSH Nordbank Arena, und seit diesem Jahr erzielt Ruud van Nistelrooy seine Treffer in der Imtech Arena.

Sogar die fünftklassige Westfalia aus Herne spielt inzwischen nicht mehr im altehrwürdigen Stadion am Schloss Srünkede. Der Name wurde stattdessen von der Trel Systems AG erworben, die die Westfalia-Kicker von nun an in der Trel-Ruhrpott-Arena auflaufen lässt.

Finden solche Namen schon schwer ins Ohr, so werden sie das Herz der Fans sicher nie erreichen. Zumal die eine oder andere Benennung eher niedlich bis unfreiwillig lustig klingt. Die SpVgg. (Greuther) Fürth, einst am traditionsreichen Ronhof zu Hause, jagte ab 1997 im Playmobil-Stadion und seit dieser Saison in der Trolli Arena nach Punkten und Toren. Und in der Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena sollten sich die MSV-Anhänger die mit dem Namen verbundene Aufforderung nicht allzu sehr zu Herzen nehmen, sonst verpassen sie noch das schöne Fußballspiel. Bloß gut, dass es nicht die Hans-guck-in-die-Luft-Arena geworden ist.

Es gibt aber auch noch Klubs, die es mit der Tradition halten und die Betitelung des Stadions nicht zu Geld machen – denken wir nur ans Fritz-Walter-Stadion. Der Kapitän der 54er-WM-Helden hat nun wahrlich viel für den Klub geleistet und diese Ehre verdient.

Und in Hagen? Na, aufgrund der eher unterirdisch aufspielenden heimischen Kicker brauchen wir vorerst keine Umbenennungen der Kampfbahn Boelerheide, des Ischeland-Stadions oder der Kirchenberg-Kampfbahn zu befürchten. Da ist die neue Ischelandhalle schon interessanter – trumpfen doch hier Clubs mit nationaler Ausstrahlung auf, man denke nur an Phoenix. Wie man hört, steht auch schon ein Energieversorger in den Startlöchern, den Namen zu erwerben. Was der Kasse von Phoenix einen fünfstelligen Betrag bescheren würde.

Das Problem: die „Ische XXL“ dient hauptsächlich dem Schulsport – und da ist ein Werbename normalerweise nicht zulässig. Wir dürfen gespannt sein, wie dieses Problem umschifft wird. Hoffentlich kommt dabei nicht irgendwas Krudes raus – so nach dem Motto: „Mit-märkischer-Energie-geheizt-Halle“.

Tilo